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IG Metall Detmold - Aufschwung führt kaum zu regulärer Beschäftigung

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Aufschwung führt kaum zu regulärer Beschäftigung

Die Wirtschaft jubelt, die Arbeitsagenturen auch. Manche Politiker träumen sogar von Vollbeschäftigung. Doch die Realität sieht anders aus.

Die Wirtschaft brummt auch in Lippe, in vielen Betrieben sind die Auftragsbücher voll. Fast überall ist das Vor-Krisen-Niveau wieder erreicht. Doch der Aufschwung belebt den Arbeitsmarkt in Lippe zu gering, weniger als in Deutschland insgesamt. In Deutschland ist die Arbeitslosigkeit inzwischen niedriger als im Juni 2008, also vor der Krise. In Ostwestfalen-Lippe jedoch hinkt der Arbeitsmarkt hinterher. Es sind mit insgesamt 71.604 Personen immer noch mehr Menschen in OWL arbeitslos als vor der Krise (70.893). Lippe hat mit 7,7 % die schlechteste Arbeitslosenquote in ganz OWL.

Reinhard Seiler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Detmold kritisiert: „Die lippischen Unternehmen setzen im Aufschwung vermehrt auf Überstunden und Leiharbeit und halten sich mit den Neuein-stellungen zurück. Während der Krise hatten die Unternehmen Zeit, die Arbeitsabläufe unter die Lupe zu nehmen und zu straffen. Zusätzlich haben einige Unternehmen trotz Kurzarbeit Entlassungen und andere Formen des Personalabbaus durchgeführt. In dieser Phase stieg die Arbeitslosigkeit in Lippe von 14.900 auf 16.200 Personen an. Nun versuchen die unternehmen, mit dem vor-handenen Personal die Produktionszeiten auszuweiten. Schichtarbeit und Samstagsarbeit, teilweise sogar Sonntagsarbeit nimmt rapide zu.“ Eine Methode, die immer nur zeitlich begrenzt funktioniert, denn auf Dauer führt eine Ausweitung der Arbeitszeit und von Stress zu höheren Krankenständen, denn die Erholungszeiten werden zu knapp.

Genauso die Leiharbeit. Die überwiegende Arbeitsvermittlung der Arbeitsagenturen geht in die Leiharbeit, so dass wir in den Betrieben mittlerweile mehr Leiharbeiter im Einsatz haben als vor der Krise. Die Belebung des Arbeitsmarktes geht also an der regulären Beschäftigung vorbei, stattdessen nehmen ungesicherte Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit und befristete Beschäftigung zu. Nur in Einzelfällen werden Arbeitnehmer unbefristet eingestellt. Dies geschieht kaum in der Produktion, sondern eher z. B. im Ingenieurbereich.

Dazu Reinhard Seiler: „Man kann den Aufschwung nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer austragen und die Gewinne vermehrt einstreichen. In den ersten Betrieben steigen die Krankenstände bereits an. Wir fordern daher die Unternehmen auf, auch die Beschäftigten am Aufschwung teilhaben zu lassen. Nicht nur mit Lohnerhöhungen, sondern auch über vermehrte Einstellungen in reguläre Beschäftigung. Mit den Betriebsräten sind wir in der Diskussion darüber, Überstundenanträge kritischer zu prüfen, Zeitkonten nicht überlaufen zu lassen und Überstundenanträge stärker mit der Forderung nach Neueinstellungen zu koppeln.“

„Wenn im Aufschwung die Arbeitslosigkeit nicht durch Neueinstellungen spürbar gesenkt wird, werden wir in der nächsten Krise wieder vor dem selben Problem stehen. Soviel Weitsicht erwarten wir auch von den lippischen Unternehmen,“ kritisiert Seiler abschließend.