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IG Metall Halle - Tarifbewegung2021_5

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Warnstreik bei Magna Powertrain in Roitzsch

+++ Beschäftigte fordern Tarifvertrag
+++ Arbeitgeber setzt wiederholt auf Verzögerung
+++ Warnstreik fordert Verhandlungstermin Ende März
Mit der Forderung nach einem Tarifvertrag für den Standort und einem Verhandlungstermin noch Ende März rief die zuständige IG Metall am Donnerstag, 04.03.2021, die Beschäftigten von Magna Powertrain in Roitzsch zum ersten Mal zu einem Warnstreik auf. Rund 140 Beschäftigte aus Produktion und Büro beteiligten sich an dem Streik und legten für eine Stunde die Arbeit nieder. Nur Wenige verblieben im Betrieb.
Mehrere Produktionslinien standen still.
Ein erstes Gespräch zwischen IG Metall und Arbeitgeber hatte bereits Anfang Februar stattgefunden. Die IG Metall fordert für den Standort einen Anerkennungstarifvertrag an die Arbeitsbedingungen der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt.
Der Arbeitgeber lehnt dies mit Verweis auf die schwierige wirtschaftliche Lage ab. Der gegenseitige Austausch im Februar verlief ergebnisoffen, aber freundlich und beide Seiten einigten sich auf einen Folgetermin Ende März.
Doch anstatt seiner Zusage nachzukommen, will der Arbeitgeber den Termin auf Mitte April verschieben. Die Streikenden fordern die Geschäftsführung auf, ihre Zusage zu einem Gesprächstermin Ende März einzuhalten.


Gewerkschaftssekretär Lars Buchholz:
„Der Arbeitgeber setzt auf Verzögerung – und das nicht zum ersten Mal. Die Beschäftigten lassen sich nicht länger hinhalten, das zeigt die starke Beteiligung beim heutigen Warnstreik.“
Thomas Friedrich, IG Metall Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender:
„Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen am Standort ist längst überfällig. Die Themen Entgelt, Arbeitszeit, Urlaubstage, Zukunftssicherung und mobile Arbeit brennen uns unter den Nägeln. Wenn jetzt die Geschäftsführung nach Ausreden für ein weiteres Hinauszögern der Tarifgespräche sucht, ist das respektlos gegenüber den berechtigten Anliegen der Beschäftigten. Weder im Büro noch in den Hallen – wir akzeptieren keine Ausreden der Geschäftsführung mehr!“
Der Warnstreik bei Magna in Roitzsch steht in inhaltlichem und zeitlichem Zusammenhang zur bundesweiten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. In den so genannten flächentarifbegundenen Betrieben endete am 2. März die Friedenspflicht. Seitdem finden bundesweit und auch in Sachsen-Anhalt Warnstreiks statt.

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Hintergrund:

Der Standort von Magna Powertrain in Roitzsch ist nicht tarifgebunden. Dadurch liegen die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten deutlich unter den tariflichen Regelungen der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt:
- Entgelt nach abgeschlossener Ausbildung („Ecke“) bei Magna 2.474€/ Monat statt 2.959€/Monat (Flächentarifvertrag)
- Entgelt nach abgeschlossenem Hochschulstudium bei Magna 3.960€/ Monat statt 4.503€/Monat (Flächentarifvertrag)
- Arbeitszeit: 40 Wochenstunden (Magna) statt 38 Wochenstunden (Fläche)
- Urlaubstage: 27-30 je nach Alter (Magna) statt 30 Tage für alle (Tarif)
Im vergangenen Jahr haben sich die Beschäftigten von Magna in Roitzsch in der IG Metall organisiert. Im Februar 2020 haben die IG Metall Mitglieder am Standort eine betriebliche Tarifkommission gewählt und seitdem die Tarifbewegung im Betrieb mit regelmäßigen Aktionen vor dem Tor, Informationskampagnen und stetigem Mitgliederwachstum in Schwung gebracht.
Im November 2020 hat die IG Metall im Auftrag ihrer Mitglieder den Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Zunächst wollte die Geschäftsführung bis zu einem ersten Gesprächstermin mehr als vier Monate warten. Nach einer lautstarken Mittagspausenaktion mit mehr als 100 Beschäftigten vor dem Betriebstor im Dezember 2020 war der Arbeitgeber zu einem Gespräch schon Anfang Februar des neuen Jahres bereit.

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