Thomas, du bist seit rund eineinhalb Jahren Mitglied des Aufsichtsrates bei VW. Welche Entscheidungen waren aus deiner Sicht in dieser Zeit die wichtigsten?
Thomas Zwiebler:
Aus meiner Sicht war es die Abwehr der Übernahme durch Porsche. Das war allerdings vor meiner Zeit im Aufsichtsrat. In der aktuellen Planungsrunde ist es uns gelungen, ein Rieseninvestitionsprogramm in Höhe von 62 Mrd. Euro zu verabschieden. Davon gehen 57 % in deutsche Standorte. Der Standort Hannover ist mit Investitionen für den Amarok und in die Neue zukunftsfähige Montage dabei. Beide Investitionen sind die Basis für Auslastung und sichere Arbeitsplätze.
Das sind ja gute Botschaften für die Belegschaft! Wie kommt ihr zu solchen Erfolgen??
Zwiebler:
Dafür brauchen wir Durchsetzungskraft! 98 % unserer Belegschaft sind Metallerinnen und Metaller, das ist die Grundlage. Mit qualifizierten Vertrauensleuten und engagierten Betriebsräten geht es weiter. Durch eine enge Zusammenarbeit im Gesamtbetriebsrat und Konzernbetriebsrat stärken wir die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Alles zusammen ergibt eine Interessenvertretung aus einem Guss.
Dann bist du sicher viel unterwegs, wher weißt du, wo den Leuten der Schuh drückt??
Zwiebler:
Es ist mir persönlich und für die Arbeit sehr wichtig, den direkten Kontakt zu den Beschäftigten zu haben. Ich gehe regelmäßig vor Ort in den Betrieb und spreche mit den Kolleginnen und Kollegen. Darüber hinaus wird meine Sprechstunde, in der für alle die Tür offen steht, intensiv genutzt.
Zurück zur Arbeit im Aufsichtsrat, wo siehst du die zukünftigen Herausforderungen??
Zwiebler:
Wenn die Prognosen stimmen, wird das Wachstum in Europa nicht mehr so üppig ausfal-len und außerhalb Europas zulegen. Das darf bei VW nicht zu Lasten der inländischen Standorte gehen. Wir brauchen also weiterhin Investitionen in die deutschen Standorte, damit wir mit den neuen Fabriken außerhalb Deutschlands mithalten können.
Was heißt das konkret für Hannover??
Zwiebler:
Wir brauchen einen Nachfolger für den T5 und Investitionen zur Modernisierung von Fabrik und Anlagen einschließlich Gießerei und Wärmetauscherfertigung.
Noch eine Frage zum VW-Gesetz. Die EU-Kommission versucht das VW-Gesetz zum zweiten Mal zu kippen. Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat in dem Verfahren vor dem EUGH??
Zwiebler:
Die Klage richtet sich gegen die Bundesrepublik Deutschland. Formal spielt der Aufsichtsrat keine Rolle. Aber wir werden natürlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für den unveränderten Erhalt des Gesetzes eintreten. Dazu gehören auch unüberhörbare Signale Richtung Brüssel. IG Metall, Belegschaft, Betriebsrat und Politik ziehen an einem Strang, wenn es um das VW-Gesetz geht.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für deine Arbeit!