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September 2020

Schaeffler Beschäftigte in Hirschaid und Höchstadt protestieren gegen geplanten Stellenabbau

Am Mittwoch, den 9. September 2020 hat der Vorstand des Schaeffler Konzerns die Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss über ein geplantes Maßnahmenpaket informiert.
Dieses Paket beinhaltet die Schließung mehrerer Standorte sowie einen Personalabbau von insgesamt 4.400 Stellen in Deutschland. Zusätzlich wird der Konzern durch zahlreiche Produktverlagerungen massiv umstrukturiert.

Die IG Metall hat die Beschäftigten am gestrigen Mittwoch zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. An den beiden von der IG Metall Bamberg betreuten Standorten in Hirschaid und Höchstadt haben die Beschäftigten gegen die geplanten Maßnahmen demonstriert:

Hirschaid: Um 11:00 Uhr versammeln sich rund 500 Beschäftigte der Schaeffler Technologies AG & Co. KG auf dem Parkplatz um vom Betriebsrat über die aktuellen Personalabbaupläne des Vorstandes informiert zu werden. Markus Zirkel, stv. Betriebsratsvorsitzender, spricht von einer „Schneise der Verwüstung, die sich durch die gesamte Republik zieht“, nachdem er die Betroffenheiten der einzelnen Standorte vorgetragen hatte. Im Rahmen der für den Standort Hirschaid vorgesehenen Stellenstreichungen fordert er einen sofortigen Stopp aller Bestrebungen, die Verlagerungen nach Osteuropa umzusetzen oder voranzutreiben. Wichtig ist für uns die Sicherheit, neue und innovative Produkte am Standort zu produzieren, bevor ein Szenario von Verlagerungen angedacht werden kann. Martin Feder, Geschäftsführer der IG Metall Bamberg erinnert daran, dass die Belegschaft am Standort Hirschaid über Jahre ein Rekordergebnis nach dem anderen vorgelegt hat, und es jetzt mit dem Abbau von 92 Arbeitsplätzen gedankt bekommt. „Schaeffler treibt keine wirtschaftliche Not, sondern schreibt immer noch schwarze Zahlen“, so Feder weiter.

Höchstadt: Betriebsratsvorsitzender Roland Holler hat die Beschäftigten am Standort zu einer Betriebsversammlung unter freiem Himmel eingeladen. Der Standort Höchstadt ist von den Plänen besonders betroffen: die komplette Industrie Sparte soll aus Höchstadt abgezogen werden, das entspricht ca. einem Drittel aller Arbeitsplätze am Standort. Ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten, die seit mehr als 68 Jahren am Standort hochwertige Industrieprodukte fertigen. An der Aktion beteiligten sich 1.200 Beschäftigte, vor dem Werkstor warteten mehr 200 Familienangehörige der Kolleginnen und Kollegen, die ihren Arbeitsplatz verlieren sollen. Zu Beginn der Versammlung wurde ein Sarg, auf dem ein Kugellager befestigt war, in die Mitte des Werksgeländes getragen. Damit wurde symbolisch der Industriebereich zu Grabe getragen. Der Betriebsratsvorsitzende des Standortes Höchstadt, Roland Holler, sagte in seiner Rede zur Belegschaft: „Letzten Mittwoch hat uns der Arbeitgeber zu einer außerordentlichen Wirtschaftsausschusssitzung eingeladen. Der Verlauf und die Maßnahmen haben sich für mich nach und nach wie eine Beerdigung angefühlt. Eine Beerdigung unseres Werkes. Heute stehen wir hier, weil wir um unsere Arbeitsplätze, um unsere Existenz bangen müssen! Wenn diese Pläne so umgesetzt werden, sind wir Ende 2021 nur noch die Hälfte aller Mitarbeiter.“ Martin Feder, Geschäftsführer der IG Metall erinnerte an die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre: „Bei Schaeffler wurden im Zeitraum 2010 bis 2019 viele Milliarden Euro verdient. Die Mitarbeiter haben alles für den Konzern gegeben. Der Dank ist jetzt die Schließung der Industriesparte – eines Bereiches der hochprofitabel ist und schwarze Zahlen erwirtschaftet. Dahinter steht, dass Schaeffler sich Stück für Stück vom Industriestandort Deutschland verabschieden und vermehrt in Osteuropa produzieren möchte. Das werden wir nicht zulassen! IG Metall und Betriebsrat werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen!“

IG Metall und Betriebsräte werden die Pläne des Konzerns nicht einfach so hinnehmen. In den kommenden Tagen wird ein unabhängiges Wirtschaftsprüfungsinstitut damit beauftragt, die vom Vorstand vorgelegten Zahlen auf Plausibilität zu prüfen. Derweil hat die IG Metall gemeinsam mit den Schaeffler Betriebsräten ein eigenes Forderungspaket an den Vorstand adressiert:

1. Keine Standortschließungen
2. Keine betriebsbedingten Kündigungen
3. Verlagerung nach Osteuropa stoppen (Moratorium)
4. Gezielte Stärkung aller deutschen Standorte durch innovative und zukunftsfähige Produkte
5. Kein Outsourcing und keine Fremdvergabe
6. Nutzung der gesetzlichen und tariflichen Alternativen, wie Kurzarbeit oder Arbeitszeitverkürzung mit Teilentgeltausgleich
7. Keine Einschränkung / Reduzierung der Erstausbildung

Klar ist: mit der gestrigen Aktion ist der Kampf um die Arbeitsplätze nicht beendet. Ein heißer Herbst steht bevor – wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen!

Einladung zur Aktivenkonferenz

#Fairwandel statt Zukunftsangst! Beteilige dich an der Onlinekonferenz am 24.09.2020
Die Teilnahme ist über einen beliebigen, aktuellen Internet-Browser möglich. Bitte melde Dich bis spätestens 21.09.2020 an. Infos zum Ablauf der Veranstaltung und zur Anmeldung können der Einladung entnommen werden.


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