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IG Metall Leer-Papenburg - Warnstreik 24 Jan 2018 MuE

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Eindrucksvolle 2. Warnstreikwelle

Leer/Papenburg/Werlte. Am heutigen Küstenaktionstag haben auch in der Region über 2.500 Beschäftigte ihre Arbeit vorübergehend niedergelegt, um für ihre Forderungen in der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie zu streiten. Die Metaller erwarten vom Arbeitgeberverband ein deutlich besseres Angebot und Bewegung für mehr selbstbestimmter Arbeitszeit. Neben 6 Prozent mehr Lohn geht es den Gewerkschaftern um die Möglichkeit, individuell die wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für einen befristeten Zeitraum reduzieren zu können.

Kollegen des Leda Werkes in Leer vor dem Werktor

Bereits am frühen Morgen starteten die Beschäftigten des Leda Werkes in Leer ihre Warnstreikaktion. Über 75 Arbeitnehmer der Frühschicht legten ab 7:00 Uhr ihre Arbeit nieder, um mit einer Kundgebung vor dem Werkstor Druck zu machen. Siegbert Knoop, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Tarifkommission kennt die Belastungen einer Gießerei. Er und seine Kollegen halten die Möglichkeit einer zeitweisen Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit für eine erforderliche Maßnahme zum Schutz der Gesundheit. „Aber vorübergehendes Kürzertreten muss man sich auch leisten können, deshalb brauchen wir auch einen finanziellen Teilausgleich“ so Knoop auf der Kundgebung. Neben der Aktion der Frühschicht beendeten auch die Beschäftigten der Spät- und Nachtschicht ihre Arbeit zwei Stunden früher.

In Werlte kam es beim Fahrzeughersteller Krone ebenfalls zu Arbeitsniederlegungen. Am Vormittag ruhte die Fertigung für rund 2,5 Stunden. Die Beschäftigten versammelten sich in den Werkhallen, um gemeinsam zur Kundgebung zu marschieren. Vor 350 Warnstreikteilnehmern fasste Thomas Abeln, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Tarifkommission, den Unmut der Belegschaft über die schleppende Tarifverhandlung zusammen: „Nach wie vor wollen die Arbeitgeber mehr Flexibilität nur nach oben, statt die Bedürfnisse der Arbeitnehmer zu berücksichtigen. Die Arbeitgeber müssen sich endlich bewegen. Eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit trägt maßgeblich dazu bei, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Die Kollegen fordern zu Recht ein Gesamtpaket von mehr Lohn und einem Arbeitszeitmodel der verkürzten Vollzeit."

In Papenburg zeigten rund 200 Beschäftigte bei KS Gleitlager ab 11 Uhr, wie ernst es ihnen mit ihren Forderungen ist. Nach einer Kundgebung am Werktor zogen sie in einem 1-stündigen Protestmarsch durch die Innenstadt. Mit dieser zweiten Warnstreikaktion wollen die Gewerkschafter den Druck weiter hoch halten, damit am Ende ein gutes Ergebnis steht. Frank Schlereth, Sprecher der Vertrauensleute und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender freut sich über die erneut sehr gute Beteiligung am Warnstreik. " Die Belegschaft will an der steigenden Wertschöpfung beteiligt werden. Die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche können sich höhere Löhne leisten. Die Kollegen wollen ihren Anteil für gute, geleistete Arbeit" so Schlereth. Aber auch küstenspezifische Themen einer Angleichung der Schichtzuschläge sowie die Vergütung der Wasch- und Umkleidezeiten seien in Papenburg eine ganz wichtige Forderung.

Auf der Meyer Werft legten ebenfalls 1.500 Beschäftigte am Vormittag ihre Arbeit nieder. Rund 600 Kollegen der Spät- und Nachtschicht erklären sich mit den Forderungen der Frühschicht solidarisch und werden ebenfalls ihre Schichten 3 Stunden früher beenden. Nach einem Demonstrationsmarsch über die Rheiderlandstraße fand in der Frühschicht abschließend eine Kundgebung vor Tor 3 der Werft statt. Für Nico Bloem, Sprecher der Vertrauensleute und der Auszubildenden, sind guter Lohn und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle gleichermaßen wichtig. "Die Auftragslage brummt. Die Arbeitszeiten werden mehr und mehr an den betrieblichen Bedarf angepasst. Wir arbeiten immer flexibler, rund um die Uhr, auch am Wochenende. Wir wollen, dass unsere Arbeitszeiten auch mal zu unserem Leben, zu unseren Bedürfnissen und zu unseren Familien passen."

Auch für Ludger Husmann, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission, entspricht das IG Metall Modell einer verkürzten Vollzeit einer breiten gesellschaftlichen Forderung. "Mit der Option einer verkürzten Vollzeit will die IG Metall den Beschäftigten eine attraktive Alternative zur Teilzeitarbeit eröffnen. In vielen Betrieben ist es nach wie vor schwierig, nach familienbedingter Teilzeit wieder Arbeit in Vollzeit zu bekommen."

Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, bedankte sich bei den Kollegen für die gute Beteiligung: "Die eindrucksvollen Warnstreiks haben die Arbeitgeber dazu gebracht, erstmals über unsere Forderung nach selbstbestimmten Arbeitszeiten zu sprechen. Doch das reicht noch nicht aus. Noch sind wir meilenweit voneinander entfernt. Wenn es sein muss, sind die Belegschaften bereit, noch einen Zahn zuzulegen und notfalls den Protest massiv auszuweiten."

Am 25. Januar findet in Hamburg die nächste Verhandlung mit Nordmetall statt. Dann geht es schwerpunktmäßig um regionale Küstenthemen wie Nachtschichtzuschläge, zu vergütende Wasch- und Umkleidezeiten und einen zusätzlichen freien Tag je Prüfungstag für die Auszubildenden und die dual Studierenden zur Prüfungsvorbereitung.