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IG Metall Leer-Papenburg - Warnstreik MuE Jan 2018

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Erste Warnstreiks

Leer/Papenburg/Werlte. Der Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie führt in diesen Tagen auch im Nordwesten zu ersten Warnstreiks. Am Donnerstag beendeten bis zum Nachmittag bereits über 2.600 Beschäftigte in Leer, Papenburg und Werlte ihre Arbeit 2 Stunden früher.

Die Beschäftigten sind über das bisherige Entgeltangebot der Arbeitgeber von 2 Prozent enttäuscht. Nach zwei Tarifrunden fordern die Gewerkschafter ein deutlich höheres Entgeltangebot der Arbeitgeber und mehr Gestaltungsspielraum bei der Arbeitszeit für die Arbeitnehmer. Die IG Metall fordert 6 Prozent mehr Entgelt und eine Option auf eine zeitlich befristete Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden.

Auf der Meyer Werft beendeten alle Schichten ihre Arbeit 2 Stunden früher. Bis zum Nachmittag haben sich bereits 1.600 Beschäftigte am Warnstreik beteiligt. Im Gespräch mit den Kollegen am Werkstor bringen die Vertrauensleute der Werft ihren Unmut zum Ausdruck. „Die Auftragslage ist sehr gut, die Kollegen tragen wesentlich dazu bei, dass die Ergebnisse stimmen. Deshalb fordern die Kollegen zu Recht ein deutliches Lohn-Plus“ so Nico Bloem, stellvertretender Sprecher der gewerkschaftlichen Vertrauensleute. Aber auch bei der Arbeitszeit-gestaltung dürfe Flexibilität nicht nur im Sinne des Betriebes ausgelegt werden. Die Beschäftigten bräuchten Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen.

Ludger Husmann, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission, hält das Mauern des Arbeitgeberverbandes in puncto Arbeitszeit für nicht nachvollziehbar. Gerade moderne Unternehmen seien sich der gesellschaftlichen Veränderung bewusst und schafften mehr Freiräume für Arbeitnehmer, die neben der Arbeit Kinder betreuen oder die Pflege von Angehörigen zu bewältigen haben.

Bei Kolbenschmidt in Papenburg legten ebenfalls am Donnerstag alle Schichten ihre Arbeit für 2 Stunden früher nieder. Der Betriebsratsvorsitzende, Frank Sonntag, sieht auch bei den späteren Schichten die Reihen geschlossen. „Die Kolleginnen und Kollegen sind vom bisherigen Angebot sehr enttäuscht. Aber auch Arbeitszeiten im Sinne der Kollegen sind eine wichtige Forderung. Gerade Schichtarbeit belastet die Gesundheit. Beschäftigte in Schichtarbeit müssen die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit für einen begrenzten Zeitraum mit einem finanziellen Teilausgleich verkürzen zu können. Den Druck rausnehmen, bevor man ganz zusammenbricht. Das ist echtes Gesundheitsmanagement und spart dem Unternehmen am Ende sogar Kosten“. Deshalb werden über 400 Beschäftigte am Warnstreik bei Kolbenschmidt mitmachen.

Auch beim Fahrzeughersteller Krone in Werlte beendeten 600 Arbeitnehmer ihre Arbeit über alle Schichten zwei Stunden früher. Mit einer Kundgebung gegen Mittag unterstrichen die Beschäftigten der Frühschicht ihre Forderungen. „Die Beschäftigten erwarten ein deutliches Nachlegen der Arbeitgeber. Die wirtschaftliche Lage in unserer Branche ist stabil. Wer gute Mitarbeiter gewinnen will, muss das beim Einkommen und gerade auch mit familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen zeigen“, davon ist der Betriebsratsvorsitzende und Tarifkommissionsmitglied Thomas Abeln überzeugt.

In Leer beteiligten sich die Beschäftigten vom Leda Werk ebenfalls am Warn-streik. Bereits am frühen Nachmittag gingen 80 Arbeitnehmer der ersten Bereiche eher nach Hause.

Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg sieht weitere Arbeitsniederlegungen, wenn die Arbeitgeber nicht ein besseres Angebot vorlegen. Die Umsatzrenditen in der Metall- und Elektroindustrie seien gut. Die Beschäftigten seien zu Recht sauer über das bisherige Angebot von 2 % mehr Lohn und das Mauern der Arbeitgeber beim Thema persönlicher Arbeitszeitgestaltung.

Die Verhandlungen für den Bezirk Küste werden am 18. Januar fortgesetzt.