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IG Metall Paderborn - Fujitsu baut ab

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Fujitsu baut weiter ab

(24.5.) Fujitsu baut Stellen ab, ca. 145 in Paderborn, deutschlandweit an die 1000. Dies wurde auf einer Betriebsversammlung in dieser Woche der Belegschaft bekannt gegeben.

Traurig hängen die Fahnen neben dem Eingang zu Fujitsu in Paderborn.

Das Produktgeschäft von Fujitsu schwächelt. Fujitsu hat zwar im Servergeschäft bei einem um 17 % sinkendem Markt nur einen Rückgang von 11 % Umsatz zu verzeichnen, aber es ändert natürlich nichts daran, dass dies zu negativen Ergebnissen führt. Und da im weltweiten Vergleich die europäische Organisation auch im „Service“-Umfeld nur 20 % von dem erreicht, was Fujitsu ansonsten weltweit im Durchschnitt erwirtschaftet, fordert die Zentrale in Japan erhebliche strukturelle Einschnitte beim Personal in Deutschland.

In Deutschland sollen ca. 95 Millionen Euro eingespart werden, was einen Abbau von circa 1000 Stellen bedeutet. In Paderborn sind dies aktuell noch 145 Stellen.

Zusätzlich sollen an „Sachkosten“ 20 Millionen eingespart werden. Dazu könnte Paderborn vielleicht schon durch einen Auszug aus dem bisherigen Gebäude am Heinz-Nixdorf-Ring beitragen, werden hier doch allein an Miete und Energiekosten jeweils allein über eine Million Euro pro Jahr bezahlt.

Der Personalabbau bedeutet insbesondere drastische Einschnitte in der Entwicklung, aber auch in der sog. „Supply Operation“, also der Unternehmenslogistik oder dem Einkauf. Betroffen sind aber auch andere Bereiche wie Finanzen, Marketing oder interne IT. Den betroffenen Kolleginnen und Kollegen soll eine Abfindung gezahlt werden. Außerdem wird ihnen zum 1.9. 2013 ein Wechsel in eine „Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft“ angeboten. Möglich ist auch ein Ausscheiden nur über einen Aufhebungsvertrag. Eine weitere Maßnahme ist auch die Personalreduzierung durch langfristige Teilzeitverträge oder durch Abschluss eines Altersteilzeitvertrages, hier muss dann jedoch bereits zum 31.12.2015 das Ende der aktiven Phase eintreten, so dass dies nur für Personen in einer ganz bestimmten Altersspanne interessant sein dürfte. Ausgewählten Mitarbeitern kann auch eine Versetzung an einen anderen Standort angeboten werden, da viele Aufgaben zukünftig nur noch an spezifischen Standorten geschehen sollen.

Wenn die vom Unternehmen gewünschten Zielzahlen des Abbaus nicht durch diese freiwilligen Vereinbarungen erreicht werden, sollen noch in diesem Jahr betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Dann steht möglicherweise auch wieder der komplette Standort Paderborn zur Disposition.

Ursprünglich soll die von der Fujitsu-Zentrale beauftragte Unternehmensberatung Ernest & Young im Rahmen des Kosteneinsparungsprogramms die komplette Schließung der Fujitsu Standorte in Paderborn und Sömmerda gefordert haben. Dies konnte dank des engagierten Einsatzes der Betriebsräte und der Paderborner Standortleitung verhindert werden. Trotzdem bleibt die Frage, wie der Standort Paderborn auf Dauer erhalten werden kann. Die Betriebsleitung deutete auf der Betriebsversammlung an, dass man hierzu neben der Konsolidierung von Themen und Kapazitäten insbesondere die Vernetzung mit aktueller Forschung und Entwicklung stärken wolle. Dazu gehört eine stärkere Kooperation mit der Hochschule vor Ort und der Aufbau einer „F & E Community“. Man werde aber auch in Zukunft nicht umhin kommen, bestimmte Entwicklungen aus Kostenoptimierungsgründen auszugliedern. Besonders wichtig dürfte es wohl sein, eine klare Aufgabenteilung zwischen Japan und Deutschland zu definieren.

Die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) wird durch die Transfergesellschaft TRAIN organisiert werden. Hier können die dann ehemaligen Fujitsumitarbeiter individuelle Beratung, ein Bewerbungstraining und vielleicht zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen bekommen. Während der Zeit in diesem Unternehmen (maximal 12 Monate) erhält man 80 % des bisherigen Gehalts. Dies wird zum einen durch das „Kurzarbeitergeld“ der Agentur für Arbeit finanziert (in Höhe von 60/67 % des bisherigen Einkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze), zum anderen durch eine entsprechende Aufstockung durch Fujitsu, um die BQG auch für außertarifliche Mitarbeiter interessant zu gestalten. Sollte man in den zwölf Monaten des Bestehend der BQG nicht in eine neue Stelle vermittelt werden können, würde man anschließend ganz „normal“ als arbeitslos bei der Agentur für Arbeit gemeldet werden, mögliche Ansprüche auf Höhe oder Dauer des Bezugs von Arbeitslosengeld würden durch die Zeit in der BQG nicht verloren gehen oder gar angerechnet werden.