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Runder-Tisch-Kiel - Heikendorf und das Ostufer gegen Rechts

Heikendorf und das Ostufer gegen Rechts

 

"Heikendorf und das Ostufer gegen Rechts" - das war heute eine beeindruckende Veranstaltung. Deutlich mehr als 500 Menschen (vorsichtig geschätzt) haben an der Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus teilgenommen, aus Heikendorf selbst und aus Nachbargemeinden des Kreises Plön sowie aus Kiel.

Ein großer Dank geht an alle, die dies ermöglicht haben!

Wir dokumentieren hier die (vorhandenen) Redebeiträge

 

 

Redebeitrag Dietrich Lohse (Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel)

Liebe Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, liebe Menschen in Heikendorf,
ich grüße euch im Namen des Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus Kiel!

Heute bin ich mit vielen Gleichgesinnten aus Kiel wieder einmal hier in eurer Gemeinde, nicht auf dem Weg zum Strand und nicht auf dem Weg zur Arbeit. 13 Jahre lang bin ich fast jeden Tag zumindest hier durchgekommen mit dem Bus oder mit dem Fahrrad – so lange habe ich in einer Druckerei in Brodersdorf gearbeitet. Aber das ist nun auch schon 17 Jahre her.

Damals konnte man im Bus nach und von Heikendorf Leuten wie dem Nazi Peter Borchert begegnen, der als NPD-Funktionär und dann mit seiner „Aktionsgruppe Kiel“ rassistische Hetze verbreitet hat und mit Gewalt auf Migrant*innen und politische Gegner*innen losgegangen ist.

Heute sind wir zusammen hier, weil es immer noch und immer wieder faschistische Versammlungen und Schmierereien und andere Nazi-Aktionen gibt. Der Anlass unseres Treffens ist also kein schöner. Aber das Signal, das wir heute senden, ist ein sehr schönes: Menschen vor Ort schließen sich zusammen gegen Nazi-Umtriebe und erhalten Unterstützung von Menschen aus den umliegenden Gemeinden und Städten. So soll es sein.

Nazi-Aktivitäten, rassistische und faschistische Bedrohungen und Angriffe sind auch in anderen Gemeinden und in Kieler Stadtteilen zu verzeichnen, ich rechne alle Auftritte der AfD dazu.

Rund um die Förde, von Heikendorf über Dietrichsdorf, Elmschenhagen, Mettenhof bis nach Friedrichsort und Pries, haben wir damit zu tun, und überall finden sich Menschen, die dem entgegentreten. Eine Ausstellung, die Betroffenen rechter Angriffe Bild und Stimme gibt, ist zurzeit im Kieler Gewerkschaftshaus zu sehen.

Anhänger der AfD und bekennende Nazis suchen zurzeit leider erfolgreich Anschluss an die Bewegung der Coronaleugner und Verschwörungsmystiker, bei denen auch Antisemiten willkommen sind. Ihre Aktionen haben mit berechtigtem Protest gegen Regierungsmaßnahmen nichts zu tun. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass die Pandemie so schwer einzudämmen ist. Bei unseren Tarifkämpfen, bei unserem Widerstand gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Schultern der arbeitenden Menschen, der Erwerbslosen, der Geflüchteten sind sie nicht zu finden. Einer der Einpeitscher dieser zutiefst unsolidarischen Bewegung, der Herr Dinklage alias Björn de Vil, wohnt in Heikendorf.

Seit 20 Jahren gibt es in Kiel den Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus, der Platz bietet für alle, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe, Weltanschauung oder Organisationszugehörigkeit, die sich solidarisch den Nazis jeglicher Machart entgegenstellen wollen – wir treffen uns in jedem Monat am 4. Dienstag im Kieler Gewerkschaftshaus. Wir sind Bestandteil der Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ Schleswig-Holstein. Und ohne Heikendorf eingemeinden zu wollen, darf ich doch sagen: Vertreter*innen von Initiativen auch aus den Nachbargemeinden Kiels sind herzlich eingeladen, sich mit uns zum Meinungsaustausch und ggf. zur Organisierung gemeinsamer Aktivitäten am Runden Tisch zu treffen.

Eins ist jedenfalls sicher: Wir werden immer solidarisch an eurer Seite stehen.
Keinen Fußbreit den Faschisten!
Ein herzliches Willkommen allen Geflüchteten!
Gemeinsam sind wir stärker – unsere Antwort heißt Solidarität!

Redebeitrag Frank Hornschu (DBG Kiel Region)

Anrede,
die Menschen in Heikendorf und Umgebung nehmen das Verbreiten von Symbolen der Rassisten und Faschisten in den vergangenen Wochen persönlich. Persönlich, weil die Menschenfeinde mit ihrer Aktivierung von Gegenmenschlichkeit nicht nur eine Gefahr für die Ausgegrenzten und Diskriminierten sind, sondern für all jene von uns, die eine liberale, friedliche und freundliche Gesellschaft wollen.

Deshalb fühlen wir uns persönlich angegriffen.

Im Namen aller Gewerkschaften möchte ich Dir lieber Jörg ganz herzlich für Deine Initiative und Dein Engagement danken!

Anrede,
mit unserer gemeinsamen Aktion wenden wir uns gegen jede Form des Angriffs auf unsere Demokratie. Unsere Haltung ist klar und unmissverständlich: wir dulden keine menschenverachtenden Einstellungen. Denn die Nazisymbole richten sich zweifelsfrei gegen die Menschen; sie verbreiten Angst, Hass und Gewalt, sie wollen uns gegeneinander aufbringen; sie richten sich gegen unsere Verfassung, weil sie unsere zu schützenden Rechtsgüter, unsere Menschenrechte und Menschenwürde, offen mit Vorsatz attackieren; sie richten sich 75 Jahre nach dem Tag der Befreiung, den 8. Mai 1945, gegen unsere Freiheit und Weltoffenheit; sie unternehmen fortgesetzt den Versuch die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in unerträglicher Art und Weise im öffentlichen Raum zu verharmlosen. Wir, die Gesellschaft, haben deshalb das Verbreiten diese Symbole nicht willkürlich sondern aus guten Gründen als verfassungswidrig unter Strafe gestellt.

Mit unserer gemeinsamen Aktion übernehmen wir klar und unmissverständlich Verantwortung - zeigen Gesicht und erheben unsere Stimme für ein friedliches, respektvolles und mitmenschliches Miteinander für eine gute Nachbarschaft in und um Heikendorf. Denn Rassismus oder Faschismus sind keine Meinungen sondern Verbrechen! Und hier kommt eine Warnung: Alles, was einmal gemacht worden ist, kann wieder gemacht werden. Mit wachsendem Stress, der auf unsere Gesellschaft wirkt, steigt die Wahrscheinlichkeit des Rückfalls. Wir leben gerade in diesen Mechanismen. Dabei ist uns klar unsere Demokratie und Freiheit sind keinesfalls Selbstverständlichkeiten, es gilt sie tagtäglich zu verteidigen und stets höchst wachsam zu sein - auch deshalb sind wir heute hier.

Unser gemeinsames Verantwortungsbewusstsein, unser gemeinsames Verantwortungsgefühl verpflichtet uns sich der Verbreitung von Menschenverachtung, Hass und Gewalt entgegen zu stellen. Wir nehmen es persönlich. Wir lassen so was nicht unwidersprochen stehen oder stehen gleichgültig beiseite. Denn Menschenrechte und Menschenwürde sind nicht verhandelbar!

All das völkisch-nationalistische, das rassistisch-faschistische wie auch das antisemitische und islamfeindliche, zielt auf die konsequente Verachtung von Menschen hin und ist zugleich mit einem ausgeprägten Frauenhass gepaart. Einer solchen autokratischen und diktatorischen, einer solchen unterdrückenden und gewaltbereitenden Politik setzen wir uns zur Wehr. Unsere Alternativen lauten: Respekt und Achtung voreinander, Inklusion und Weltoffenheit, Freiheit und Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität für alle!

Auch deshalb stellen wir uns auch von hier aus den Entgleisungen, den Entzivilisierungen und der vollständigen Enthemmung in Sprache und Schrift aus der digitalen Welt entgegen. Denn all dies wirkt infektiös. Die bewusst herabsetzende und verletzende, respekt- und würdelose Verbalgewalt aus dem Netz wirkt immer mehr. Facebook, Instragram und co verstärken systematisch und bewusst, durch ihre Algorithmen, Hass und Hetze und bringen die Menschen weltweit immer mehr gegeneinander auf. Global, kontinental und im eigenen Land haben wir es mit einem wiedererstarkten Nationalismus und Faschismus zu tun.

Frieden und Freiheit, das sehen wir an der Aufrüstungspolitik, stehen auf dem Spiel. Mit dem Schüren Wissen durch Glauben, Fakten durch Lügen, Wissenschaft durch Verachtung, Anstand und Vernunft durch Heuchelei und Zynismus ersetzen zu wollen und/oder mit den übermäßigen Vereinfachungen, der fortgesetzten institutionalisierte Diskriminierung und Ausgrenzung werden wir uns nicht helfen, sondern eher ruinieren.

Mit unserem gemeinsamen heutigen Protest wollen wir mehr als sensibilisieren, wir wollen aufrütteln und all jenen zurufen helft mit, wir brauchen jede und jeden. Geben wir denen, die unsere gute Nachbarschaft in und um Heikendorf, die unsere Achtung und unseren Respekt vor dem anderen, egal welches Geschlecht, welche Herkunft, welcher Glaube, welche Interessen oder Neigungen, die unsere Zusammenleben zerstören wollen keine Chance. Wir machen uns gemeinsam für Frieden, Freiheit und Demokratie für Menschenrechte und Menschenwürde für Solidarität, Respekt und Weltoffenheit stark.

Wir treten gemeinsam ein für eine Welt der Fairness, der gerechten Verteilung und sozialen Gerechtigkeit; für eine Welt, in der die Sicherung menschenwürdiger Lebensverhältnisse für alle herrscht; für eine Welt, der uneingeschränkten Teilhabe und Bildung; für eine Welt ohne Angst und Armut; für eine Welt, die die natürlichen Lebensgrundlagen wirklich schützt; für eine Welt die konsequent neurechte und autoritäre Strömungen, Kriege, Terror und Verfolgung ächtet und beendet.

Und all dies beginnt hier, hier vor Ort:
Also, kein Fußbreit den Nazis!


Heikendorf, den 31. Oktober 2020
Frank Hornschu
Geschäftsführer und Vorsitzender
des DGB Kiel Region