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Runder-Tisch-Kiel - PLS-Gaarden

Neonazis betreiben Laden in Kiel-Gaarden!

Der Vertrieb sogenannter "Polenschlüssel" und anderer Materialien des Neumünsteraner Neonazis und "Bandidos"-Mitgliedes Alexander Hardt ist Ende 2012 von Neumünster nach Kiel-Gaarden gezogen. Hardt hatte den Laden seit längerem als Internet-Vertrieb betrieben und lange Zeit auf die Adresse des bekannten Nazi-Treffs "Club 88" in Neumünster angemeldet. Nun hat er einen ehemaligen An-und Verkaufladen am Vinetaplatz 3 in Kiel-Gaarden übernommen. Von hier aus möchte der enge Kamerad des ehemaligen NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert nunmehr seine dubiosen Geschäfte mit potentiellem Einbruchswerkzeug fortsetzen.
Es fragt sich allerdings, warum Hardt seinen Laden in einem belebten und stark von seiner migrantischen Bevölkerung geprägten Stadtteil wie Kiel-Gaarden betreiben will. Den maßgebliche Umsatz mit seinem Sortiment dürfte er über das Internet machen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es Hardt im wesentlichen nicht um den Vertrieb seiner PLS-Werkzeuge geht, sondern darum, für die Schleswig-Holsteiner Neonaziszene endlich einen „Stützpunkt“ in der Landeshauptstadt zu errichten. Mehrfach hat das gewalttätig auftretende Spektrum aus NPD und den sogenannten Freien Kameradschaften versucht, in Kiel-Gaarden einen Treffpunkt einzurichten, zuletzt im Frühjahr 2008 mit einer Wohngemeinschaft in der Preetzer Staße. Auch der Hardt-Vertraute Peter Borchert hatte damals vor seiner letzten Inhaftierung versucht, eine Wohnung in Gaarden zu beziehen, musste aber auf Druck der Anwohner/innen nach einem Tag wieder ausziehen.
Und so wunderte es auch nicht, dass sowohl am Klingelschild des neueröffneten Ladens am Vinetaplatz, als auch auf der Internetpräsenz seines PLS-Versandes die Namen bekannter Neonazis auftauchten. Das Klingelschild führt neben Alexander Hardts Namen und einem offensichtlich als Strohmann fungierenden Neumünsteraner die Namen Borchert und Bergeest auf. Die Internetpräsenz des "PLS-Werkzeuge"-Vertrieb wird laut wechselndem Impressum von Lars Bergeest und einem Karsten Mohr verantwortet.
Dass es sich dabei um den ehemaligen NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert und den in Zusammenhang mit dem europäischen Nazimusiknetzwerk "Blood and Honour" bekannt gewordenen Lars Bergeest handelt, stützt die Annahme, dass hier ein Nazi-Treff aufgebaut werden soll.

Um welche Art von Neonazis es sich hier handelt, soll kurz erläutert werden. Zu dem notorisch gewalttätigen Peter Borchert muss nicht viel gesagt werden. Bekannt geworden als NPD-Landesvorsitzender, später als Gründer der selbsternannten "Aktionsgruppe Kiel", war er stets bemüht, politische Aktionen mit Gewalt zu verbinden. Dass seine Agitation dadurch für die Naziszene mehr Schaden als Nutzen brachte, hat ihm den Vorwurf des Provokateurs eingehandelt. Borchert gründete mit einigen versprengten Rockern und Kameraden aus der Naziszene die "Bandidos Neumünster" und agierte auch dabei sehr gewalttätig, so dass diese Gruppe alsbald verboten wurde.
Alexander Hardt stammt aus Oldenburg/Ostholstein. Er war Teil der dortigen Naziszene, die Bands wie die bundesweit aktiven "Words of Anger" hervorgebracht hat. Insoweit ist davon auszugehen, dass er und seine Kameraden schon frühzeitig Kontakte zur bundesweiten und vor allem skandinavischen Nazimusikszene hatten. Hardt wurde zuletzt vom Amtsgericht Herzberg in Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Anklagepunkt dort: Hardt soll das Booklet der vom skandinavischen "Blood and Honour"- Vertrieb "Celtic Moon" angebotenen CD „Geheime Reichssache“ von der Neonazi-Band „Kommando Freisler“ verantwortet haben. Unter anderem wurde in dem Begleitheft ein Hakenkreuz abgebildet. Die Musikstücke beinhalten Mordhetze gegen Juden und propagieren eine Neuauflage des Holocausts. Hardt schloss sich Borcherts "Bandidos" in Neumünster an.
Lars Bergeest stammt aus Cismar, also auch aus der Naziszene Ostholsteins. Er verfügt über beste Kontakte zu den skandinavischen Neonazis im Umfeld der dortigen "Blood and Honour Scandinavia". Im Jahr 2007 marschierte er gemeinsam mit zahlreichen deutschen, dänischen und schwedischen Neonazis auf einem Hessmarsch im dänischen Kolding. Während die skandinavischen Nazis in militärischer Formation mit Hakenkreuzfahnen marschierten, koordinierte er die deutschen Kameraden mit einem Megafon. In den Jahren 2008 und 2010 nahm er gemeinsam mit einer Delegation dänischer Neonazis am jährlichen Naziaufmarsch zur Bombardierung Lübecks durch die Alliierten teil.
Sowohl Hardt als auch Bergeest verfügen bis heute über gute Kontakte in die norddeutsche und europäische Neonaziszene. Eine Distanzierung von dieser Szene ist nicht bekannt. Es ist konkret zu befürchten, dass der Laden am Vinetaplatz nicht nur zu einem Nazitreff wird, sondern dass hier auch Handel mit Nazimusik betrieben wird, jedenfalls Hardt und Bergeest verfügen insoweit über die besten Kontakte.
Die mögliche Schaffung eines solchen Naziladens im migrantisch geprägten Stadtteil Kiel-Gaarden stellt nicht nur eine unglaubliche Provokation dar, sondern gefährdet unmittelbar das friedliche Zusammenleben im Stadtteil. Es handelt sich hier auch nicht um ein „Rockerproblem“, wie uns die Kieler Polizei glauben machen will, sondern um die Aktivitäten von Personen aus dem aktivsten und gewalttätigsten Spektrum der Schleswig-Holsteinischen Neonaziszene. Vor allem die Pressemeldung der Polizei, in der so getan wird, als ginge die wesentliche Gefahr von Kieler Antifaschistinnen und Antifaschisten aus, stellt die Fakten auf den Kopf, entspricht aber leider auch ihrem bisherigen Umgang mit "PLS Werkzeuge". Während Anwohner/innen am 25. Januar beobachten mussten, wie Hardt persönlich am helllichten Tag unbeachtet von der Polizei mit seinem Auto Jugendliche aus dem Stadtteil über den Vinetaplatz jagen konnte, reagierte die Gaardener Wache am Abend des 3. Februar auf die Verklebung antifaschistischer Plakate gegen den Laden geradezu hysterisch mit Dutzenden willkürlichen Personenkontrollen rund um den Vinetaplatz.
Wir werden den Aufbau eines Nazitreffpunktes in Kiel nicht tatenlos zulassen. Wir fordern alle Kielerinnen und Kieler, vor allem aber alle Menschen, Institutionen, Parteien, Initiativen und Vereine in Kiel-Gaarden auf, mit uns gemeinsam dafür zu sorgen, dass der braune Spuk am Vinetaplatz ein Ende hat, noch bevor er sein Bedrohungspotential für die hier lebenden Menschen vollends entfalten kann.

Kein Ort für Rassismus und Faschismus - keine Geschäfte mit Neonazis!
"PLS-Werkzeuge" dichtmachen!