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Runder-Tisch-Kiel - Reden zum Antikriegstag 2020

Reden zum Antikriegstag 2020 in Kiel

Wir dokumentieren hier die Reden zum Antikriegstag am 1.9.2020 in Kiel:

Anmoderation Kieler Friedensforum:

Am 1.9. um 4:44 Uhr startete der 2. Weltkrieg mit dem Kampf um die Westerplatte. Dies war der Beginn eines Krieges der ca. 60 Millionen Tote und ein verwüstetes und zerbombtes Europa nach sich zog. Dieser sollte – bis heute - der letzte große Krieg in Europa gewesen sein. Dieser Langjährige Frieden könnte Anlass zur Freude sein, doch viele Ereignisse und Umstände verderben nicht nur mir die Freude:

  • Die Enkel der, von international anerkannten Tribunalen verurteilten, Kriegsverbrecher von dereinst, sitzen heute wieder im deutschen Bundestag, und haben das gleiche widerliche Zeugs im Kopf wie ihre Vorfahren. Als Beispiel sei hier nur Beatrix v. Storch (AfD), Enkel von Johann Ludwig von Krosig1 genannt. Die Partei in der sie ist, die mit ebenso abstoßenden Personal gefüllt ist, braucht sich nach bisherigen Umfragen keine Sorgen um den erneuten Einzug in den deutschen Bundestag machen.
  • Für 2019 hat das SIPRI einen neuen traurigen Rekord bei den weltweiten Rüstungssausgaben verkündet. Für die Corona-Jahre 2020/21 werden sie vielleicht weniger Ausgaben verzeichnen, aber mit der Erholung der Wirtschaft wird auch weiter gerüstet. Wer nun glaubt, das sich Deutschland schamhaft zurückhält, und am liebsten nie Wieder einen Schuß von einem Deutschen schießen lassen würde, der irrt. Die BRD exportiert Waffen an ausgewiesene Sympathieträger wie die Türkei mit ihren freundlichen Autokraten Reicip Erdogan, die jetzt, völlig überraschend für alle Beteiligten, offen mit Krieg in der Ägäis droht2. Ebenso unbesorgt rüstet die deutsche Luftwaffe seit Jahren zum Drohnenkrieg.
  • Auf der Kiellinie standen letztes Jahr zur Kieler Woche so viel Bundeswehrwerbestände wie seit Jahren nicht mehr. Entlang der Kiellinie, von der Wik bis zum Ratsdienergarten konnten Besucher*Innen fast an jeder Straßenecke Werbe und Info-Material des deutschen Militärs bekommen. Wurde 2011 noch die Wehrpflicht abgeschafft, sucht die Bundeswehr jetzt händeringend nach Rekrut*Innen bzw. Wehrmaterial für die  Berufsarmee. Auf Instagram und anderen Sozialen-Medien werden Teenager auf Werbeveranstaltungen der Bundeswehr gezeigt, wo sie dann fröhlich Kletter- und Kriechparcours bewältigen. Und mit „Dein Jahr für Deutschland“ soll dann auch der Dienst an der Heimatfront geübt werden.

Angesichts der Bilder aus Berlin vom vergangenen Wochenende und dieser Entwicklungen könnten wir zu dem Schluß kommen, das der Schwur von Buchenwald „Nie wieder Krieg, Nie wieder Faschismuss“ verhallt und vergessen ist.

Doch ich möchte nicht ohne Hoffnung diese Rede / diese Veranstaltung schließen.

  • 2014 lehnten immernoch 66% der deutschen ein „stärkeres internationales Engagement“ ab, nur 13% der Deutschen halten sie für ein richtiges Mittel der Außenpolitik.
  • 2015 hat mit „Refugees Welcome“ sich die Zivilgesellschaft gegen die Abschottungspolitik vieler Europäischer Staaten gewandt. Ohne diese breite Gesellschaftliche Solidaritätskundgebung hätte Kanzlerin Merkel wohl kaum ihre bis heute als historisch bewerteten Worte „Wir schaffen das!“ gesagt. Ich gehörte damals übrigens noch nicht dazu.
  • 2020 gingen nach der, mit den Stimmen der AfD, Wahl des FDP Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten noch am gleichen Tag zahllose Menschen – auch hier in Kiel - auf die Straße, um zu zeigen dass Geschichte sich nicht wiederholen muss. Die Proteste dauerten bis zum Wochenende an, Kemmerich sah sich gezwungen von seinem Amt zurückzutreten, Bodo Ramelow wurde wieder Ministerpräsident, ohne auf Stimmen der AfD angewiesen sein zu müssen.

Und 91% gaben bei einer FORSA Umfrage an, kein Verständis für Proteste gegen Corona-Maßnahmen zu haben. Selbst die Veranstalter der Querdenken-Demo in Berlin waren, obwohl sie es längst besser wissen sollten, von den Bildern der Reichsfahnen vor dem Bundestag – peinlicherweise – entsetzt.
So bleibt die Hoffnung, das diese teilweise bizarren, teilweise erschreckenden Bilder der letzten Monate und Jahre bald in der Mottenkiste der Geschichte landen und wieder mehr Bilder der Versöhnung und der gegenseitigen Annäherung weichen, und der Schwur von Buchenwald „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ wenigstens in Deutschland wieder mehr zur Geltung gebracht werden kann. Das ist und bleibt die Aufgabe unserer Zivilgesellschaft.

Ich danke euch.


Frank Hornschu, DGB Kielregion:

Seit 1957 wird am 1. September an die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie an die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus erinnert.

An jedem 1. September machen auch der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften seitdem deutlich:
Die deutschen Gewerkschaften stehen für Frieden, Demokratie und Freiheit. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! In die Zukunft investieren statt aufrüsten!

Für uns Gewerkschaften ist der Antikriegstag 2020 ein besonderer Tag der Mahnung und des Erinnerns.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung Europas und der Welt vom Faschismus jähren sich zum 75. Mal. Mit seinem Überfall auf Polen riss Nazi-Deutschland 1939 die Welt in den Abgrund eines bestialischen Krieges, der unermessliches Leid über die Menschen brachte und 60 Millionen Tote forderte.

75 Jahre nach Kriegsende liegt es an uns, die Erinnerung an diese zahllosen Toten wachzuhalten  und der Millionen von Holocaust-Opfern zu gedenken, die von den Nazis ermordet wurden.

Und wir müssen die Erinnerung daran wachhalten, dass Deutschland angesichts der Menschheitsverbrechen der Nazis besondere Verantwortung für den Frieden trägt.

All dies in aktuell diesen Tagen, wo Faschisten wieder unser Parlament, unseren Bundestag und damit unseren zentralen Platz der Demokratie stürmen.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

So lautet unumstößlich die Lehre, die wir Gewerkschaften aus der Geschichte gezogen haben – und für die wir uns heute wieder mit all unserer Kraft stark machen müssen.

Abrüstung, Entspannung, Zusammenarbeit und eine Politik hin auf eine neue multilaterale Weltordnung? - Fehlanzeige.

Stattdessen leben wir in einer Welt, die immer stärker aus den Fugen gerät. Nationalismus und Militarismus greifen wieder um sich und setzen eine neue Spirale der Aufrüstung in Gang.

75 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki im August 1945 erreicht der nukleare Rüstungswettlauf ungeahnte Ausmaße. Alle neun Atommächte stecken Unsummen in die Modernisierung ihrer Nukleararsenale und Anfang des nächsten Jahres könnte mit dem russisch-amerikanischen „New Start“-Vertrag das letzte verbliebene Rüstungskontrollregime für Atomwaffen auslaufen.

Auch deshalb ist es nicht hinnehmbar, dass die deutsche Bundesregierung sich weiterhin weigert, den UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen zu unterzeichnen.

Welche Dimensionen das Wettrüsten inzwischen erreicht hat, zeigen die aktuellen Zahlen. Die globalen Rüstungsausgaben belaufen sich inzwischen auf 2 Billionen US-Dollar. Die deutsche Bundesregierung spielt dabei eine unrühmliche Vorreiterrolle. Deutschland ist nicht nur viertgrößter Rüstungsexporteur weltweit, sondern ist bei den Ländern mit den meisten Rüstungsausgaben auf den siebten Platz vorgerückt.

Wenn die Bundesregierung die NATO-Zielvorgabe erfüllen würde, zwei Prozent des deutschen BIP für Verteidigung auszugeben, so könnte dies eine weitere Erhöhung des Wehretats um mehr als 20 Milliarden Euro bedeuten.

Die Corona-Krise führt drastisch vor Augen, wie verantwortungslos diese Geldverschwendung ist. Besonders deutlich zeigt sich dies im Globalen Süden. So sind bspw. in vielen Ländern Lateinamerikas große Bevölkerungsteile schutzlos dem Virus ausgesetzt, weil es an einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung fehlt.

Gleichzeitig sind die Rüstungsausgaben in der Region in jüngster Zeit stark angestiegen – Geld, das für den dringend nötigen Ausbau der Gesundheits- und Sozialsysteme fehlt.

Aber auch in unserem Land legt die Corona-Krise schonungslos offen, wie gravierend die Ungleichheiten sind.

Es ist höchste Zeit, den Kurs zu ändern!

Die Pandemie, der Klimawandel, die Digitalisierung – all diese gewaltigen Herausforderungen bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit, das Vertrauen in die demokratischen Institutionen und vergrößern die soziale Ungleichheit.

Wir müssen gegensteuern!

Dafür sind neben einem starken und solide finanzierten Sozialstaat immense öffentliche Investitionen nötig – in Gesundheit und Pflege, in unser Bildungssystem, in eine sozial-ökologische Gestaltung der Energie- und Verkehrswende, in die kommunale und digitale Infrastruktur und in den sozialen Wohnungsbau.

Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, sich endgültig von der Zwei-Prozent-Vorgabe der NATO zu lösen und die für Rüstungsausgaben vorgesehenen Mittel in ein sozial gerechtes Deutschland und Europa mit nachhaltigen Zukunftsperspektive zu investieren.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!


Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus – Kiel, Bettina Jürgensen

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
liebe Kielerinnen und Kieler,

Am Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus – Kiel arbeiten Antifaschist*innen aus verschiedenen Spektren zusammen (aus den Gewerkschaften, verschiedener religiöser Zugehörigkeit, Sozialdemokrat*innen, Kommunist*innen, aus autonomen und antikapitalistischen Strukturen, mit unterschiedlichen parteipolitischen, sozialen, kulturellen Hintergrund).

Wir sagen: Antifaschismus und Friedenskampf gehören zusammen!
Unsere Grundlage der Zusammenarbeit von 2001 ist die „Kieler Erklärung gegen Rassismus und Faschismus“. Darin haben wir den Schwur der Häftlinge von Buchenwald 1945 aufgenommen:
"Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Im 75. Jahr der Befreiung von Faschismus und Krieg sehen wir, dass wir weiter für den Aufbau dieser „neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ kämpfen müssen.

Der NSU-Prozess, der Mord an Walter Lübcke, die Morde in Halle und in Hanau und die vielen rassistischen Übergriffe zeigen ein gesellschaftliches Klima, das auch durch Politik, Gesetze und deren Wiedergabe in Medien mit beeinflusst wird.
Dies ist eine Seite.

Eine andere Seite ist es, wenn NATO-Manöver wie Defender 2020 und das Seemanöver Baltops in der Ostsee quasi vor unserer Haustür stattfinden. Sie richten sich nach Außen, sind das Säbelrasseln an angrenzende Staaten. Und nach Innen, an die Bevölkerung dieser Bundesrepublik Deutschland werden Bilder gesendet, die die Rüstungspolitik rechtfertigen sollen.
Wir wissen jedoch: Manöver und Waffen bringen keinen Frieden!

Nicht in Syrien, im Iran, keinen Frieden für die Kurden, keinen Frieden zwischen Israel und Palästina, nicht im Jemen, Mali, Sudan, nicht mit Russland, nirgendwo auf der Welt!
Manöver und Waffen sind keine Friedensinstrumente!
Sie führen zum Krieg.
Und sie sind ein Mord(s)geschäft für die Rüstungsindustrie.
Die Regierenden treten mit Militarisierung und Waffenexport ihren eigenen Grundsatz 'keine Waffen in Kriegsgebiete´ liefern zu wollen mit Füßen.

Eine Politik jedoch, die mit Manövern und Waffenexporten versucht sich „Macht und Ansehen“ zu verschaffen, die sich an Kriegseinsätzen beteiligt, so eine Politik ist brandgefährlich! Nach innen und nach außen.

Kriegspolitik schafft Feindbilder!

• Bilder, in denen Feinde von Außen kommen und uns „überrollen“ wollen!
• Bilder, in denen Feinde bereits aus anderen Ländern „unter uns“ leben.
• Befördert wird dies durch Aussagen von Politiker*innen über Obergrenzen, einer Politik der Abschottung, der angeblich sicheren Grenzen und „geordnetem Zufluss“ von Flüchtlingen und mit Regelungen, die das international geltende Recht auf Asyl noch weiter aushöhlen, infragestellen, zunichtemachen.

Vor 5 Jahren erklärte die Kanzlerin „Wir schaffen das!“


Viele Menschen haben sich für Geflüchtete eingesetzt, gemeinsam haben in den Initiativen Geflüchtete und lange hier lebende Menschen oft Grundlagen für gemeinsames Leben in diesem Land geschaffen. Viele, die gezweifelt hatten ob dies möglich ist, sind heute immer noch aktiv. Wollen dieses Zusammenleben festigen, verbessern und ausbauen.
Das ist nicht das Verdienst der Politik – die trotz der Situation bürokratische und gesetzliche Hürden schafft.
Es sind Menschen, die handeln.

Das ist gut und muss gestärkt werden!
Denn es gibt eben auch die weitere Rechtsentwicklung, wie ich sie oben beschrieben habe, es gibt den alltäglichen Rassismus, auch institutionell – gerade in den letzten Wochen werden viele Gewalttaten öffentlich.

Denn es gibt nach wie vor Kriege, Umweltzerstörung und Klimawandel, Landraub – die auch Fluchtursache sind.

Das Geld für NATO-Aufmärsche, Militarisierung und Krieg sollte besser eingesetzt werden: für die Unterstützung von Bewegungen wie „Black Lives Matter“, für Seebrücke und Seawatch, für antifaschistische und antirassistische Arbeit eingesetzt werden. - 4 -
Das Geld aus der Rüstung fehlt im Kampf gegen Hunger, gegen die Folgen der Kriege und für Maßnahmen des gemeinsamen friedlichen Zusammenlebens.

Die Erkenntnis ist ja nicht neu. Ein Zitat:
„Was heute jeder Kieler Bürger begreifen müßte, ist dies: Es gibt keine gesunde, krisenfeste Wirtschaft in Kiel ohne eine radikale Abkehr von jeder Rüstungspolitik. Es gibt keine gesunde, krisenfeste Wirtschaft ohne ein Bekenntnis zu einer echten Friedenswirtschaft. Diese
Friedenswirtschaft wollen wir Schritt für Schritt, aber zielbewußt aufbauen. (…)
Die Stadtvertretung denkt nicht daran, den Leidensweg Kiels zum dritten Male von vorne zu beginnen.“ (Andreas Gayk, Sozialdemokrat und Bürgermeister in Kiel, 18. Mai 1946)

Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Ralf Stegner, hatte vor 5 Jahren zu Waffenlieferungen in den Irak gesagt „heute liefern wir Waffen, morgen sind wir ganz erstaunt, dass damit unschuldige Menschen getötet werden - welche Moral ist das?“

Recht hat er, doch an den Taten soll man die Politik messen!
Was sagt er gegen die seit Jahren gängige Praxis der Lieferung von Waffen aus Kiel nach Singapur, Israel, nach Ägypten, nach Brasilien, also auch in Länder, deren Regierungen repressiv ihre Bevölkerungen unterdrücken? Wo sind die Stimmen im Landeshaus gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr?

Wir fordern ein klares Nein zu Waffenlieferungen!

Und im Kieler Rathaus – hier müssen die selbst beschlossenen Kriterien endlich im täglichen Handeln durchgesetzt werden:
• Kiel arbeitet mit im kommunalen Arbeitskreis Städtesolidarität und Hiroshima-Arbeitskreis
• Kiel ist Teil der „Mayors for Peace“, die für eine kompromisslose Ächtung von Atomwaffen eintreten
• Kiel hat sich zum „Sicheren Hafen“ für Geflüchtete erklärt
• Kiels Stadtpräsident Tovar hat auf dem Sommerfest zum 20jährigen Bestehen des Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus in seiner Rede betont, dass die Landeshauptstadt die „Kieler Erklärung“ unterstützt.

Das sollte uns bestärken!

Kämpfen wir dafür dass Kiel nicht kein Zentrum der Waffenschmiede Deutschlands bleibt!

Kämpfen wir dafür, dass von Kiel aus keine Militärfregatten starten und keine Waffen in alle Welt geliefert werden!

Setzen uns dafür ein, das Kiel eine Stadt des Friedens wird – ohne Rüstungsproduktion, ohne Waffenlieferungen, ohne Militarisierung des Lebens in Freizeit, Bildung und im Beruf.

Kämpfen wir gemeinsam mit den Aktivist*innen der Seebrücke Kiel dafür, dass es nicht bei einer Willenserklärung zur Aufnahme Geflüchteter bleibt, sondern machen wir diese Stadt tatsächlich zu einem „sicheren Hafen“ für alle Geflüchteten!
Setzen wir uns dafür ein, dass Faschisten und Rassisten in Kiel keinen Platz haben!

In einer globalen Welt, in der die Kriege, der Raubbau an Ressourcen, die Arbeitswelt und ihre vielfach krankmachenden Bedingungen, in der das Ökosystem und der Klimawandel weltweit Lebensgrundlagen zerstört, schauen wir über unseren Tellerrand!

Wir sehen diese Welt und tragen ihr und den Menschen heute und in Zukunft Rechnung wenn wir fordern:
Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!


SDAJ-Kiel:

 

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

ich bin heute hier, um noch einmal zu verdeutlichen welche Auswirkungen die Krise auf die Lebensrealität junger Menschen wie mich hat und uns damit im Thema Militarisierung und dem Ausbau der Interventionsarmee Bundeswehr hat.

Aktuell sind 265.000 Soldaten bei der Bundeswehr. Nach der Abschaffung  der Wehrplicht hat die Bundeswehr begonnen, verstärkt gezielt an Schulen und Berufsmessen zu werben. Um den Mangel an Soldatinnen und Soldaten auszugleichen.  Sie Haben immer wieder kehrende Skandale zu überwinden, um vielleicht doch Menschen davon überzeugen zu können, dass sie ein netter und sympathischer Arbeitgeber wären.

Doch wie sieht die Strategie dahinter aus?

Insgesamt gibt die Bundeswehr für Nachwuchs Werbung 34,5 Millionen Euro aus. Wie gesagt machen sie Schulbesuche, sind bei Job Messen und treten öffentlich bei Festen, wie zum Beispiel der Kieler Woche auf. Hier wollen sie wie ein stink normaler Arbeitsgeber wirken und werben für neues Kanonen Futter. 2019 hielt die Bundeswehr 4551 Vorträge in Schulklassen. Meistens in Gymnasien, Realschulen und Berufsschulen. Durch Einladungen der Bundeswehr besuchten 343 Klassen Bundeswehr Kasernen. Durch so welche Aktionen erreichte die Bundeswehr über 100 tausend Schüler. Was die Bundeswehr auch nutzt sind die Besuche der Job Messen. 2019 war die Bundeswehr auf 2620 Job und Personal messen präsent. Da werben sie mit sehr attraktiv erscheinenden Ausbildungs- und Studienbedingungen: das Studium und die Ausbildung werden einem bezahlt, man bekommt eine kostenlose Unterbringung und bekommt sogar noch Geld. Anschließend wird man sicher übernommen.

Ein anderes Phänomen was die Bundeswehr nutzt ist social Media. Alleine nur für die Social Media Werbung gab die Bundeswehr 2017 5 Millionen Euro aus. Auf Social Media Präsentieren sie den Alltag von der Bundeswehr. Generell ist für jeden was dabei. Ziel der Kampagnen der Bundeswehr ist Gesellschaftsfähig zu sein. Das wenn man an die Bundeswehr denkt, nicht an Kriegseinsätze, Traumata, Verletzungen oder sogar tot denkt. Sie wollen wie ein Netter und sympathischer Arbeitgeber wirken. Aber für die Abenteuerlustigen hat die Bundeswehr auch was. Zum Beispiel die YouTube Serie „KSK-Kämpfe Nie FÜR DICH ALLEINE“ oder eine kleine Webserie „Mali“ wo übrigens die Bundeswehr 2 Millionen Euro blechen musste. Hier kann man haut nah miterleben wie es den Soldaten in Kriegsgebieten so geht. Die Bundeswehr versucht nicht mal auf der Gamescom zurück zu schrecken, das ist das größte Computer spiel treffen wo auch sehr viele minderjährige rum laufen. Mit Geschmacklosen Plakaten die Bundeswehr Kriegseinsätzte wie ein Computerspiel aussehen zu lassen.

Was man nicht vergessen darf ist, dass wenn du bei der Bundeswehr eine Ausbildung oder ein Studium machst, verpflichtest du dich, ins Ausland zu gehen. Über 100 Soldaten sind bisher bei Auslandseinsätzen gestorben, was dazu noch höchst wichtig ist zu wissen ist, dass sich davon 22 Soldaten umgebracht haben. Aber auch wenn Soldaten von einem Auslandseinsatz nach Hause kommen, müssen sie mit posttraumatischen Belastungsstörungen kämpfen.

Die Bundeswehr versucht auch das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau für sich zu gewinnen. Dennoch haben es Frauen in der Bundeswehr sehr schwer, denn rund die Hälfte der Frauen berichten von sexueller Belästigung in der Bundeswehr. Laut einer Studie im Auftrag des Verteidigungsministeriums, 2011 wurden zwischen August und Oktober  3058 Soldatinnen befragt. Von den sagten 55 Prozent, dass sie mindestens einmal sexuell belästigt wurden. Die Akzeptanz der Frauen bei der Bundeswehr ist auch nicht ganz gegeben 52 Prozent der Soldaten glauben das Frauen den Körperlichen anspruchsvollen Aufgaben nicht gewachsen sind.

Es gab besonders in letzter Zeit noch einige Skandale, die man kaum überhören konnte. Rechtsradikale Gruppen, die in der Bundeswehr sind, wohin man guckt – wenn man den überhaupt nachguckt. Und diese lassen dann auch noch mehrere Kilo Sprengstoff und Munition mitgehen, während sie in ihrem Umfeld für den Tag X oder andere Rechte Machtübernahmen werben. Gleichzeitig ist das mit dem Sexismus und der Ideologie der Bundeswehr immer noch eine Sache, die Hand in Hand geht. Vaterland, Heimatfront, Schutz der deutschen Kultur und Rasse, braucht auch die Frau, die zu Hause reproduktive Arbeiten übernimmt, womit der Kreis der zu werbenden jungen Menschen schon extrem eingeschränkt wird. Auch ungern gesehen, wird dass die starken und durchsetzungsfähigen Deutschlandretter leider doch Menschen sind und mindestens psychisch krank und verwundet wiederkommen. Der Arbeitsplatz von heute? Sicher nicht.

Dem gegenüber steht die anstehende Wirtschaftskrise, die in der Zyklen haften Überproduktion des Marktes, also des kapitalistischen Systems ansteht und deren Ablauf durch Corona nur verändert wurde. In Zeiten der Krise wird die Lage von uns Jugendlichen immer schlimmer. Es wird immer weniger ausgebildet und die Übernahme wird auch immer unwahrscheinlicher. Alle wissen, dass sein Ausbildungsplatz häufig bedeutet, 40 Stunden zu arbeiten und weit weniger als einen Mindestlohn dafür zu verdienen. Unternehmen bilden gerne dann aus, wenn der Azubi billiger ist, als der Geselle oder Leiharbeiter. Ein anderes Problem wird sein, dass es unbefristete Jobs kaum mehr geben wird und sie werden durch Befristung, Leiharbeit oder 450 Euro Jobs ersetzt. Unsere Zukunft wird also geprägt sein von Ausbeutung, Unsicherheit und extremer Konkurrenz um jeden halbwegs sicheren Job. Dies ist die Realität der sozialen Marktwirtschaft dieser Gesellschaft und dies wird auch extreme Auswirkungen auf die Bundeswehr als Arbeitgeber haben. Der ökonomische Zwang trägt dazu bei, dass Jugendliche und Minderjährige vermehrt auf ihre Ausbildungsplätze zurückgreifen werden und sich mit dem Thema Krieg und Militarisierung dadurch um die Sicherung des eigenen Lebensstandards arrangieren werden. Auch Moralkeulen von einer Bildungsoberschicht oder Menschen mit höchst moralischen Ansichten werden nicht helfen, wenn die Bundeswehr ihren Soldaten die Miete, das Essen und eine vermeintliche Zukunft sichern kann.

Deswegen liebe Menschen, ist es notwendig jetzt aktiv zu werden. Die Frage der Rekrutierung ist eine Frage des restlichen Ausbildungsmarktes und dieser wird in den nächsten Monaten und Jahren maßgeblich durch die Motivation und Kampffähigkeit von den Beschäftigten abhängen. Und diese seid ihr in eurem Betrieb! Dies sind eure Freunde und eure Familie. Dies ist Kiel und Schleswig-Holstein. Die Auseinandersetzungen hier passieren überall, ob in den Verhandlungen um den TVÖD, ob bei den Verhandlungen zu riesigen Stellenstreichungen bei Caterpillar und anderen Metallbetrieben, die Anstellungsverträge bei KVP in befristeten Stellen oder die anstehenden Tarifverhandlungen der Metalltarifverträge.

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, lasst uns dazu beitragen, dass wir als Beschäftigte dafür sorgen, dass die Bundeswehr weiterhin Zuwachssorgen hat, indem wir dafür sorgen, dass ihr und wir eine Ausbildung bekommen, von der wir leben können und ein Recht auf Übernahme in den Betrieben erkämpft wird.

Deswegen Fordern wir

  • Stopp aller Auslandseinsätze der Bundeswehr!
  • Bundeswehr raus aus Schulen, Hochschulen und Arbeitsagenturen!
  • Für eine zivile Forschung und antimilitaristische Bildung!
  • Auflösung aller Kooperationsverträge zwischen Bundeswehr und Landesregierungen!
  • Bundeswehr weg von der Kieler Woche
  • Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze