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Runder-Tisch-Kiel - vierteiligen Veranstaltungsreihe

Veranstaltungsreihe 2019 – „Kein Schlussstrich“

In Gedenken an:

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter


Nach über fünf Jahren ist der Prozess zum sog. „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) in München im Juni 2018 zu Ende gegangen. Für die Opfer der dort verhandelten zehn Morde und drei Sprengstoffanschläge, für ihre Angehörigen und auch für uns bleiben auch nach mehr als 400 Verhandlungstagen mehr Fragen als Antworten. Viele dieser Fragen betreffen die Rolle staatlicher Akteure: Wie tief war der Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) in die Machenschaften des NSU-Netzwerks involviert? Bestand der NSU wirklich nur aus drei Personen, die von ihrem engsten Umfeld unterstützt wurden? Wie kam es zur Auswahl der Opfer? Wieso wurden viele Akten aus dem Zusammenhang nach Auffliegen des NSU so eilig vernichtet? Weshalb hat die Nebenklage nie vollen Zugriff auf die Akten erhalten? Solche und viele weitere Fragen sind weiterhin offen. Das Ende des Prozesses kann somit nicht das Ende der Aufklärung sein. Auch darum sagen wir: Kein Schlussstrich unter das Kapitel NSU!

 

Das Urteil im NSU-Prozess – eine politische Beurteilung

31. Januar 2019 / 19:00 Uhr / Gewerkschaftshaus Kiel, Legiensaal, Legienstrasse 22-24, Kiel

 Das Urteil des Münchener Oberlandesgerichts im NSU-Verfahren wurde in der antifaschistischen und antirassistischen Öffentlichkeit v.a. als Teil einer Schlussstrich-Debatte rund um das Thema NSU wahrgenommen. Björn Elberling stellt dar, welche Erkenntnisse aus dem Verfahren das Gericht ignoriert oder verleugnet hat und stellt die Frage, wie die Bewegung darauf reagieren soll. Natürlich soll es auch darum gehen, wegen welcher Taten die Angeklagten völlig zurecht verurteilt worden sind.

Referent: Dr. Björn Elberling – Rechtsanwalt. Er vertrat im NSU-Verfahren F.K., den Betroffenen eines versuchten Mordes bei einem Raubüberfall des NSU 1998 in Chemnitz.

 

Politische Sozialisation eines Terrorhelfers

14. Februar 2019 / 19:00 Uhr / Hansa48, Hansastrasse 48, Kiel

 Der NSU, seine Mitglieder und HelferInnen waren geprägt von der gesellschaftlichen Stimmung, die sich aus den pogromartigen Ausschreitungen in Rostock Lichtenhagen, Hoyerswerda und Mannheim ergab. Die militante Naziszene hatte ihren Beitrag zu Abschaffung des Asylrechts geleistet und versuchte nun mit Organisationen wie Blood and Honour, Hammerskins, Kameradschaften oder NPD wirkmächtige Strukturen aufzubauen, die zu einer Verbreitung der eigenen Ideologie beitragen sollten. Der militante, bewaffnete Kampf blieb auf allen Ebenen ein zentrales Ideologieelement. UnterstützerInnen des NSU kamen aus dieser Szene und wurden durch diese auf den bewaffneten Kampf eingeschworen. Die Netzwerke bestehen fort, wenn auch in veränderter Form, und finden ihren Widerhall ideologisch auch bei Pegida und AfD.

Referent: Alexander Hoffmann – Rechtsanwalt. Er vertrat im NSU-Verfahren Se.S. und Arif S. Zwei Betroffene des Nagelbombenanschlages in der Keupstrasse.

 

Der NSU und Rolle des Verfassungsschutz

28. Februar 2019 / 19:00 Uhr / Gewerkschaftshaus, Legiensaal, Legienstrasse 22-24, Kiel

Mehr als zwei Dutzend V-Leute des Verfassungsschutzes im Umfeld des NSU, ein Mitarbeiter an einem Tatort, Lügen, geschredderte Akten und Aussageverweigerung - der Inlandsgeheimdienst hat es geschafft, seine eigene Rolle bei der Entstehung und Nichtaufdeckung des NSU bis ins Urteil hinein zu verheimlichen. Dies führt unter anderem zu zahlreichen Verschwörungstheorien. Rechtsanwältin Antonia von der Behrens zeigt anhand des Beweisergebnisses im NSU-Prozess, was wir heute über die Rolle und Verantwortlichkeit des Verfassungsschutzes wissen.

Referentin: Antonia von der Behrens – Rechtsanwältin. Sie vertrat im NSU-Verfahren den jüngsten Sohn des am 04.April 2006 ermordeten Mehmet Kubaşık.

 

Der NSU – kein „Trio“sondern Netzwerk

21.März 2019 / 19:00 Uhr/ Hansa48, Hansastrasse 48, Kiel

Ohne ein breites Unterstützungsnetzwerk wäre der NSU nicht möglich gewesen, nur mit der Unterstützung von zahlreichen HelferInnen konnte der NSU über Jahre seine Morde und Anschläge begehen. Von 1998 bis zur Selbstenttarnung im November 2011 gab es ein breites Netzwerk von Neonazis, ohne das der NSU nicht denkbar gewesen wäre. Doch wie sah das Netzwerk aus, wer lässt sich dazu zählen und wissen wir überhaupt schon alles? Diesen Fragen wird der Vortrag nachgehen und auch einen Blick auf die Erkenntnisse aus dem Prozess und den Untersuchungsausschüsse werfen, vor allem aber auf die zahlreichen Recherchen der letzten Jahren.

Referent_in: Felix Hansen – freier Journalist. Er arbeitet u.a. bei NSU-Watch, ein Bündnis zahlreicher antifaschistischer Recherche-Initiativen und -Personen, das den Strafprozess am Oberlandesgericht München und die Aufarbeitung des NSU-Komplexes unabhängig und kritisch begleitete, dokumentierte sowie Hintergründe recherchierte.

Eine Veranstaltungsreihe der Interventionistischen Linken Kiel und des Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus Kiel - in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung SH.

Unterstützt durch den Wilhelm-Strech-Fonds

 IG Metall Kiel-Neumünster

Initiative Respekt!

Logo Respekt.TV, kein Platz für Rassismus!

 

Der Besuch der Veranstaltungen ist kostenlos. Weitere Veranstaltungen sind in Planung …

 

Gemäß §19 VersFG SH sind Personen, die extreme rechte Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung treten oder bereits in Erscheinung getreten sind, von der Teilnahme ausgeschlossen.

VisdP: Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel - c/o ver.di Kiel-Plön - Legienstr. 22 - 24103 Kiel

 

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