Faire Löhne für Leiharbeiter müssen kein Traum sein
Kreis, Metall-Arbeitgeber und Gewerkschaften ziehen am Arbeitsmarkt an einem Strang
Siegen 9.11.2011
Von Lars-Peter Dickel
Zeitarbeit, Leiharbeit. Das sind Begriffe, die in unserer Gesellschaft keinen guten Klang haben, nicht für die Arbeiter und nicht für Gewerkschaften. QuatroTransfair könnte das ändern.
Arno Wied aus Bad Berleburg ist der Geschäftsführer dieser Transfergesellschaft, die in den zurückliegenden beiden Krisenjahren zahlreiche Menschen in Lohn und Brot gehalten hat und jetzt auch als Leiharbeitsfirma für gleiche Löhne und gute Arbeitsbedingungen steht.
Hinter dieser Gesellschaft steckt ein eingetragener Verein. Die Vorstandsmitglieder sind der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Hartwig Durt, der Vorsitzende des Verbands der Siegerländer Metallindustriellen, Jörg Dienenthal und Landrat Paul Breuer jeweils aber als Privatpersonen. 2009 hatten sich Gewerkschaft, Metall-Arbeitgeber und Kreis an einen Tisch gesetzt und überlegt, wie man Wirtschaftskrise und drohende Massenarbeitslosigkeit bewältigen könnte. Das war das erste Unternehmensziel, so Geschäftsführer Arno Wied.
Hohe Vermittlungsquote
Wir hatten mit Transfergesellschaften von auswärts schlechte Erfahrungen gemacht und wollten deshalb jemanden, der in der Region vernetzt ist, beschreibt Gewerkschafter Hartwig Durt die Beweggründe, mit Kreis und Arbeitgebern gemeinsam diese Firma zu gründen. Der Bedarf blieb dann zum Glück deutlich unter den Befürchtungen, ergänzt Geschäftsführer Arno Wied.
Insgesamt waren es 205 Menschen, die in die Transfergesellschaft kamen. Davon konnte QuatroTransfair immerhin 70 Prozent wieder in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bringen. Die 50 000 in NRW registrierten Transfergesellschaften haben eine durchschnittliche Vermittlungsquote von 50 Prozent, sagt Arno
Wied nicht ohne Stolz.
Lob für diese Arbeit gibt es auch von Gewerkschaftsseite: Das ist eine beachtliche Leistung, vor allem bei dem geringen Personalaufwand von nur drei Personen, so Durt.
Der Gewerkschafter legt aber auch den Finger in die Wunde. Es habe in Siegen- Wittgenstein nur deshalb so
wenig Entlassungen in der Krise gegeben, weil neben dem vielfach genutzten Mittel Kurzarbeit vor allem tausende Leiharbeiter von jetzt auf gleich auf die Straße gesetzt wurden, sagt Hartwig Durt.
Hier setzt jetzt seit Mai diesen Jahres das zweite Unternehmensziel an. Die Quatro-Transfair vermittelt nach einem sozialverträglichen Modell Leiharbeiter für die Metall-und Elektroindustrie. Hierfür wurde eigens ein Tarifvertrag zwischen IG Metall und lokalem Arbeitgeberverband abgeschlossen, der dem Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit folgt.
Klare Grundsätze
Wir als Gewerkschaft hätten keiner anderen Lösung zustimmen können, macht Durt unmissverständlich klar. Zumal dieser Grundsatz auch in der Zusammenarbeit mit einigen wenigen anderen Zeitarbeitsfirmen ebenfalls gelte. QuatroTransfair ist aber die einzige, die sich keine Hintertür offen halten kann, weil die Gewerkschaft mit im Vorstand des Trägervereins sitzt.
Bei 125 im Arbeitsamtsbezirk Siegen-Wittgenstein/Olpe zugelassenen Leih- oder Zeitarbeitsanbietern ist gleicher
Lohn für gleiche Arbeit ein Wettbewerbsnachteil. Oft würden gerade einmal 7,50 oder 8,50 Euro die Stunde gezahlt, weiß Arno Wied. Seine tagesaktuell 43 Beschäftigten werden aber z.B. nach Metall- Tarifgruppe 3 bezahlt, was 13,52 Euro entspricht.
Diesen Wettbewerbsnachteil kann QuatroTransfair aber ausgleichen. Zu allererst muss die Gesellschaft keinen Gewinn ausschütten. Zweitens verlangt sie von den Arbeitgebern für die Überlassung eines Mitarbeiters einen um 20 Prozent geringeren Lohnaufschlag an. Das heißt, statt 27,04 Euro (13,52 + 13,52) pro Stunde müssen diese nur 21,63 Euro (Stundenlohn plus 80 Prozent) zahlen. Außerdem sind weitere, aber zeitlich begrenzte
Abschläge möglich, wenn es sich um Langzeitarbeitslose oder ungelernte Arbeiter handelt, die vermittelt werden. Falls ein Arbeitgeber eine Übernahme in die Stammbelegschaft nach maximal zwei Jahren zusichert, sind für die ersten sechs Monate 24 Prozent geringere Löhne oder für die ersten 18 Monate 16 Prozent Abzug möglich.
Das machen wir, weil wir wissen, dass einige Mitarbeiter erst am Arbeitsplatz angelernt werden müssen bzw. nicht sofort ihre volle Produktivität entfalten, erläutert Arno Wied.
Andererseits profitieren die Arbeiter durch verlässliche Rahmenbedingungen. Ein Vorteil gegenüber vielen anderen Firmen sind sichere Schichtzulagen, Weihnachtsund Urlaubsgeld sowie die tariflich festgelegten Urlaubstage.