IG Metall ruft im Tarifkonflikt zum Warnstreik auf Rund 300 Beschäftigte legen in Geisweid ihre Arbeit nieder
Siegen 10.11.11
Jens Plaum
Siegen-Geisweid
Rund 300 Mitarbeiter der Deutschen Edelstahlwerke (DEW) und Boschgotthardtshütte Edelstahl (BGH) legten am Mittwochmorgen die Arbeit nieder. Die IG Metall hatte im Zuge der Tarifauseinandersetzung in der Stahlindustrie zum Warnstreik aufgerufen.
Die zentralen Forderungen der Gewerkschaft: Sieben Prozent mehr Lohn, verbesserter Anspruch auf Altersteilzeit und unbefristete Übernahme von Ausbildungsabsolventen. Insbesondere der letzte Punkt stößt bei den Arbeitgebern die übrigens bisher noch kein Angebot vorgelegt haben auf Unverständnis. Sie fürchten Beamtentum für Auszubildende, das Ende der klassischen Lehre.

Ein Teil der warnstreikenden Belegschaft auf dem Gelände der DEW
Unternehmen erzielen Gewinne
Ein durchsichtiges Manöver nennt das Gewerkschaftssekretär Hans-Jürgen Groß. Selbstverständlich werden
die Betriebe weiter ausbilden. Schließlich würden demnächst Fachkräfte händeringend gesucht. Viel wichtiger sei es, jungen Menschen nach der Ausbildung wieder eine Perspektive zu geben: Unbefristete und feste Arbeit, und zwar als Regel und nicht als Ausnahme.
Sieben Prozent mehr Lohn sind aus Sicht des Gewerkschafters gerecht und finanzierbar.
Wir haben Mehrwert produziert und wir haben reale Werte geschaffen, betont er auf dem Gelände der DEW in
Geisweid. Die Unternehmen hätten Gewinne erzielt, die Beschäftigten ihren fairen Anteil verdient.

Hans Jürgen Gross, Gewerkschaftssekretär, IG Metall Siegen, bei seiner Ansprache
Immerhin habe die Stahlindustrie im ersten Halbjahr 2011 ein rasantes Wachstum hingelegt. Die Produktion liege mittlerweile wieder auf Vorkrisenniveau. 45 Millionen Tonnen verlassen laut Meinung von Fachleuten die deutschen Stahlwerke bis zum Jahresende. Weiteres Wachstum soll 2012 folgen. Natürlich spüren wir die
Unsicherheiten der weltwirtschaftlichen Entwicklung auch in unseren Betrieben, gibt Hans-Jürgen Groß zu.
Aber wir können uns doch deshalb nicht vorsorglich in ein Euro-Krisen-Camp einweisen lassen. Niemand wisse,
wann Euro- und Bankenkrise überwunden seien. Eine Garantie für stabiles Wachstum gebe es nicht: Aber wir orientieren uns nicht an hätte, wäre, könnte, nicht an den Kapriolen des Euro, sondern an realwirtschaftlichen
Fakten.
TKS Beschäftigte streiken Heute
Entschlossen wollen sich die Gewerkschafter auch beim Thema Altersausstieg zeigen. Die Rente mit 67 gehört abgeschafft, fordert der Sekretär. Die Beschäftigten in der Stahlindustrie leisteten körperlich enorm belastende Arbeit. Das hält schon bis 65 kein Mensch durch. Lediglich fünf Prozent in der Branche sind älter als 60, über 63 Jahre sind es gar weniger als ein halbes Prozent. Nicht zuletzt sei die Altersteilzeitregelung ein Instrument,
den demografischen Wandel fair zu gestalten.

Ein weiterer Teil der warnstreikenden Belegschaft
Die Arbeitsniederlegung in Geisweid bleibt vorerst nicht die letzte Aktion im Stahl-Tarifstreit. Am heutigen Donnerstag stehen bei Thyssen Krupp Steel (TKS) in Eichen die Räder still. Die Beschäftigen wollen auch dort ihre Forderungen per Warnstreik deutlich machen.