Jahresauftaktveranstaltung am 18. Januar 2012
Berlin im Plus - vor neuen Herausforderungen
Arno Hager, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, stellte am 18. Januar im IG Metall-Haus gemeinsam mit Christiane Benner, Vorstandsmitglied der IG Metall, die neuen Themen und Aktionen im neuen Jahr vor. Arno Hager dankte den rund 150 Aktiven, die ins IG Metall-Haus gekommen waren und allen Aktiven herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz für die IG Metall. Unser Ziel ist es, eine starke Gestaltungskraft in den Betrieben zu sein. Dazu brauchen wir stabile und steigende Mitgliederzahlen. Er erläuterte die Ziele in 2012: Eine erfolgreiche Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, eine gute Industriepolitik für Berlin, Organisationswahlen und Vertrauensleutewahlen. Die IG Metall werde ein starker Partner der Betriebsräte und Vertrauensleute bleiben. Wir arbeiten daran, mehr Mitglieder für uns zu gewinnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir beispielsweise bei den Auszubildenden und Werkstudierenden in diesem Jahr noch mehr Beitritte haben werden.
Christiane Benner, seit Oktober 2011 geschäftsführendes Vorstandsmitglied, erläuterte die Schwerpunkte der Arbeit der IG Metall in diesem Jahr. Die IG Metall ist stärker geworden. Wir haben viel Kraft in die Mitgliederentwicklung gesteckt. Und damit haben wir knapp 30.000 Beschäftigte in den Betrieben als neue Mitglieder erreicht, davon 17.000 Angestellte. Wenn wir als IG Metall eine innovative Gewerkschaft bleiben wollen, die auch die Arbeitswelt von morgen mitgestalten kann, dann müssen wir für Angestellte, für Kaufleute, Ingenieure, IT-Leute etc. genauso attraktiv sein wie für Facharbeiterinnen und Facharbeiter. Sie erläuterte auch die sinnvolle Arbeit der IG Metall an den Hochschulen. Allein in Berlin seien bei Siemens über 100 Werkstudierende eingetreten. Als weitere Themen nannte sie Kampagne für die junge Generation, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Einsatz gegen Rechtsextremismus, zukunftsorientierte Integrationspolitik und Leiharbeit.
Die Diskussion im Anschluss wurde eröffnet durch einen Beitrag von Dogan Akbaba, Betriebsrat bei CNH. Er regte an, für Neumitglieder einen gestaffelten Beitrag einzuführen. Beispielsweise könnte mit einem Beitrag von 0,5 Prozent gestartet werden. Eine Mindestquote bei der Auswahl von Auszubildenden schlug er vor, um den Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund zu erhöhen.
Bruno Rocker, Betriebsratsvorsitzender bei Schleicher Elektronic, bemerkte, dass ihm das Thema Europa und Euro gefehlt habe. Und forderte ein klares Beschäftigungsprogramm für Europa.
Andreas Kreutzer, Vertrauensmann bei Nokia Siemens Networks, unterstützte die Idee einer Schnuppermitgliedschaft. Er erinnerte daran, dass inzwischen viele Ingenieure aus Billiglohnländern geholt werden. Ein gleichzeitiger Kampf für ein höheres Entgelt in mehreren Ländern gleichzeitig wäre wünschenswert.
Mustafa Yeni, Vorsitzender des Migrationsausschusses der IG Metall Berlin, erinnerte an die fehlende Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die am 3. Dezember einen Autokorso durch Berlin organisiert hatten.
Klaus Murawski, Vertrauenskörperleiter bei OTIS, bemerkte, dass eine Mobilisierungs-Tarifrunde diesmal dringend sein müsste. Ohne Warnstreiks und Streiks würden die Leute nicht realisieren, wofür sie ihren Beitrag zahlen. Er erlebe, dass die IG Metall als alt, freudlos empfunden werde und oft gesagt würde, dass nichts für Angestellte getan werde.
Christiane Benner antwortete darauf, dass sie finde, dass die IG Metall viel Spaß machen kann und auch macht. Und es sei wichtig, positiv auf die Menschen zuzugehen. Sie setze sich intensiv dafür ein, dass mehr Angestellte Mitglieder in der IG Metall werden. Am Staffelbeitrag, einer Schnuppermitgliedschaft äußerte sie Zweifel. Als Beispiel nannte sie den Beitrag für Studierende von 2,05 Euro pro Monat. Obwohl der Beitrag so niedrig sei, würden nicht Massen eintreten.
Arno Hager appellierte an alle, die persönliche Unterstützung von Mitgliedern gerade in Zeiten wie derzeit bei Osram besonders intensiv zu gestalten. Das spreche sich herum und wirke sich aus. Die gute Arbeit der IG Metall sei leider nicht immer erfahrbar, diese gute Arbeit müsse besser kommuniziert werden. Mit Blick auf die Vertrauensleutewahl sagte er: Eine starke Interessenvertretung funktioniert immer mit Vertrauensleuten. Nur Betriebsräte und Vertrauensleute gemeinsam bilden eine starke Interessenvertretung.
Hartmut Meyer, Vertrauenskörperleiter und Betriebsrat bei Nokia Siemens Networks, berichtete, dass bei den 8.000 Beschäftigten 60 80 % Angestellte seien. Angestellte hätten besondere Erwartungen an die Gewerkschaft. Der Slogan Mensch statt Marge von Siemens gefalle ihm gut.
Franz Plich, bis vor fünf Monaten BR-Vorsitzender Siemens Energy Services, erzählte von der gelungenen Werbung von Werkstudierenden bei Siemens. Ich bin der Held der Werkstudenten, berichtete er. Nachdem die Entgelte für die Werkstudierenden vor vier Jahren um 30 bis 40 Prozent gekürzt wurden, hatte ein Student unterstützt durch die IG Metall - geklagt. Siemens hat dann zugesagt, allen IG Metall-Mitgliedern unter den Werkstudierenden mehr zu zahlen. Daraufhin seien dann 150 Werkstudierende in die IG Metall eingetreten.
Jörg Fischer, Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter Siemens Gasturbinenwerk, betonte, dass ihm die Arbeit gegen Rechtsextremismus wichtig sei.
Die Erinnerung an die Bombardierung Dresdens am 13.2.1945 missbrauchen Rechtsextreme jedes Jahr aufs Neue. In diesem Jahr wird in Dresden am 18. Februar mit einem Aufmarsch von Rechtsextremen in Dresden gerechnet. Der DGB ruft daher zu einer friedlichen Demonstration auf. Wer ein Zeichen dagegen setzen möchte, kann mit nach Dresden fahren:
Samstag, 18. Februar in Dresden ab 11.00 Uhr: Kundgebung Mit Mut, Respekt und Toleranz Dresden bekennt Farbe auf dem Schlossplatz mit anschließender Demonstration durch die Innenstadt. Um 6.30 Uhr fahren am Samstag vor dem DGB-Haus Busse nach Dresden, um 15 Uhr geht es zurück nach Berlin. Wer mitfahren möchte, meldet sich bitte bei anke.paul@igmetall.de an.













Fotos: Christian v. Polentz/transitfoto.de