Aktiv gegen Niedriglöhne
Belegschaft wehrt sich
metallzeitung sprach mit Uwe Hannemann, dem Betriebsratsvorsitzenden der Kräcker-Gruppe
Knapp 80 Beschäftigte hat die Kräcker-Gruppe in Berlin. Die Belegschaft in Marienfelde fertigt vor allem Teile für die Automobilindustrie. Seit letztem Jahr weht bei Kräcker ein anderer Wind. Die Beschäftigten und der neue Betriebsrat wehren sich gegen Niedriglöhne.
Ihr habt bemerkt, dass Kräcker sittenwidrige Löhne zahlt?
Uwe Hannemann: Durch den Austritt aus dem Arbeitgeberverband und die Auslagerung von Teilen der Produktion nach Wildau wurden den dort eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wesentlich geringere Löhne bezahlt, die auch nach der späteren Rückführung nach Berlin nicht angepasst wurden. Letztes Jahr hatten wir genug von der Geheimhaltungspolitik der Geschäftsführung und haben die Beschäftigten befragt. Ergebnis: Ein Teil bekam Stundenlöhne von weniger als 6 Euro, zum Teil 7,50 Euro oder knapp darüber.
Was passierte dann?
Hannemann: Die Kolleginnen und Kollegen hatten zunächst Angst. Dann haben sie Mut gefasst, uns informiert und sich in der IG Metall organisiert. Die IG Metall hat die Geschäftsführung aufgefordert, die sittenwidrigen Entgelte zu korrigieren, für drei Jahre nachzuzahlen und über ein Gehaltssystem und einen Tarifvertrag zu verhandeln. Diese Verhandlung hat die Geschäftsführung abgebrochen. Aber wir haben einen ersten Erfolg: Seit Ende 2011 gibt es mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Das sind für einzelne Kolleginnen und Kollegen 300 oder 400 Euro mehr im Monat.
Wie geht es weiter?
Hannemann: Als Nächstes geht es um die Nachzahlungen. Die Geschäftsführung war zu keiner Lösung bereit. Deshalb klagen mehrere Beschäftigte mit Hilfe der IG Metall vor dem Arbeitsgericht.
Was habt ihr als Nächstes vor?
Hannemann: Die Geschäftsführung versucht, den Betriebsrat durch Umstrukturierungen zu schwächen. Dagegen wehren wir uns. Es gibt noch mehr Beschäftigte, die ungerecht eingruppiert sind und zu wenig Geld bekommen. Unser Ziel bleibt: Wir wollen einen Tarifvertrag!
