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IG Metall Weilheim - 2020 Gnettner: Streit um letzte Rate

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Gnettner - Sozialplan

Streit um letzte Rate

Im Juli 2000 teilte der Firmenchef Günther Gnettner von der Gnettner Holzindustrie seinen Mitarbeitern mit, dass er sein Werk schließe, da sich das Geschäft nicht mehr rentiere. Über 100 Mitarbeitern drohte somit die Entlassung. Daran änderten auch die folgenden Verhandlungen des Betriebsrats mit der Geschäftsführung nichts. Mit Hilfe der IG Metall gelang es damals zumindest, die Folgen für die Mitarbeiter ein wenig abzumildern. Man einigte sich nach zähen Verhandlungen auf einen dreistufigen Sozialplan in Höhe von 1,7 Millionen Mark.

Bis heute ist das vereinbarte Geld aus der dritten Tranche nicht ausbezahlt worden. Es geht um insgesamt 500 000 Mark, umgerechnet rund 255 000 Euro, die an die ehemaligen Mitarbeiter ausbezahlt werden sollten, wenn aus der Verwertung des Firmenvermögens des Betriebs ein Überschuss verbleibt. Weil Maschinen und Grundstücke längst verkauft worden sind und auf dem ehemaligen Gnettner-Areal an der Altenstadter Straße in den vergangenen Jahren ein neues Wohngebiet entstanden ist, haben sich jetzt die ehemaligen Mitarbeiter zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen. Mitte Juli forderten sie nun gemeinsam die Firma Günther Gnettner in einem Schreiben auf, endlich auch die ausstehende Rate zu begleichen. Die Antwort ist aus Sicht der Interessengemeinschaft ernüchternd. Über eine Münchner Steuerberatungsgesellschaft lässt Günther Gnettner Anfang August schriftlich mitteilen, dass eine vollständige Befriedung der Verbindlichkeiten der ehemaligen Holzindustrie durch die Verwertung des Betriebsvermögens nicht zu erwarten sei. Eine Mitschuld trage die Stadt Schongau, die die Verwertung der Grundstücke behindert habe.

Die Interessensgemeinschaft wollte das nicht akzeptieren und setzte Gnettner über die IG Metall eine Frist für die Zahlung der ausstehenden rund 255 000 Euro samt Zinsen. Und auch die Stadt wies den Vorwurf zurück und forderte ihrerseits, die Anschuldigung zu konkretisieren oder zu widerrufen. Das hat Gnettner zwischenzeitlich getan. Zwar habe das Bewilligungsverfahren der Stadt mit neun Jahren überdurchschnittlich lange gedauert, bis mit der Verwertung der Grundstücke des früheren Firmengeländes habe begonnen werden können. Die Verzögerungen hätte sich aber immer im rechtlich zulässigen Rahmen bewegt, betont Günther Gnettner. "Wir haben der Stadt in keinem Fall unrechtmäßiges Verhalten unterstellt."

Dass die ehemaligen Mitarbeiter öffentlich die Auszahlung der dritten Rate forderten, kam für Gnettner nach eigenen Angaben überraschend. Schließlich sei seit Jahren absehbar, dass aus der Verwertung der GHI kein bedeutender Überschuss hervorgehen wird und mithin weder die Belegschaft noch die Eigentümerfamilie auf eine Ausschüttung in nennenswerter Höhe hoffen können. Gnettner verweist auf die Jahresabschlüsse, aus denen sich Jahr für Jahr genau der Stand des Verwertungsprozesses und die Vermögensentwicklung entnehmen ließe. 

Wie aber passt es ins Bild, dass Gnettner selbst 2006 erklärt hatte, alle alten Verbindlichkeiten in Höhe von rund fünf Millionen Euro seien erfüllt? Tatsächlich hätten damals Kapitalgeber aus der Familie Gnettner und dem familiären Umfeld in einer Umschuldung die alten Verpflichtungen gegenüber Banken und vormaligen Geschäftspartnern übernommen. Die Schulden seien also keineswegs getilgt gewesen, sondern nur die Darlehensverhältnisse neu geordnet worden, sagt Gnettner heute. 

Helmut Dinter von der IG Metall, der Gnettner im Auftrag der Interessengemeinschaft zur Zahlung aufgefordert hatte, überzeugt das alles nicht. Er pocht darauf, dass die Auszahlung des Überschusses sofort nach der Befriedigung der damaligen Gnettner-Verbindlichkeiten hätte erfolgen müssen - und zwar egal aus welcher Gesellschaft. "Zwischenzeitlich könnten ja weitere Gesellschaften zur Verschachtelung gegründet worden sein" so Helmut Dinter. "Ich habe dem Unternehmer nun ein persönliches Gespräch angeboten, eine Zusage habe ich noch nicht".