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IG Metall Gummersbach - 24 Std Warnstreiks

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24 Stunden Warnstreiks in Oberberg

Erstmals in ihrer Geschichte hat die IG Metall zu 24-Stunden-Warnstreiks aufgerufen – Auch bei Kampf (Wiehl), Eaton (Gummersbach) und Schmidt & Clemens (Lindlar) legen Beschäftigte am Freitag 02.02.18 06.00 Uhr die Arbeit nieder
Am Freitag 02.02.18 um 6 Uhr begannen die ersten 24-Stunden-Warnstreiks in der Geschichte der IG Metall. In 280 Betrieben in Deutschland und über 70 in Nordrhein-Westfalen legten Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie die Arbeit nieder. Auch in den drei oberbergischen Unternehmen Kampf, Schmidt & Clemens sowie Eaton blieb es in den Hallen still, nicht aber vor den Toren. Schon um 5 Uhr versammelten sich die IG Metall-Mitglieder der Firma Kampf Schneid- und Wickeltechnik in Wiehl vor dem Werksgelände. Mit roten Mützen, Streik-Westen und Bannern harrten die Beschäftigten in der Kälte aus, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen.

Neben sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate fordert die IG Metall einen Anspruch auf zeitweise Reduzierung (bis zu 24 Monate) der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden grundsätzlich ohne Ausgleich. Nachdem der Versuch einer Einigung in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gescheitert war, setzt die IG Metall den 24-Stunden-Streik nun als neue Waffe im Arbeitskampf ein. „Dieses Modell wird von den Kollegen sehr gut angenommen. Nun muss sich zeigen, ob es Wirkung zeigt“, hoffte Anette Schmidt, Betriebsratsvorsitzende bei Kampf, auf einen schnellen und vor allem für die Arbeitnehmer zufriedenstellenden Tarifabschluss. „Bei dieser sehr guten wirtschaftlichen Lage muss auch ein guter Tarifabschluss möglich sein“, so ihr Standpunkt.

„Für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder den bezahlten Urlaub wurde bis zu 20 Wochen gestreikt“, erinnerte Werner Kusel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Oberberg, während einer Kundgebung vor dem Werkstor an Erfolge der Gewerkschaft in der Vergangenheit. Mit ihren Tarifverträgen habe die IG Metall Standards gesetzt, die oft im Anschluss Gesetz wurden. „Lasst uns heute erneut den Arbeitgebern die Flötentöne beibringen und Geschichte schreiben“, zeigte sich Kusel kampfeslustig, was die Beschäftigten mit einem lauten Trillerpfeifen-Konzert bejubelten. Insbesondere prangerte Kusel die Ausbildungssituation im Oberbergischen Kreis an: Die Zahl der Ausbildungen bei den oberbergischen Arbeitgebern sei in den vergangenen Jahren um 25 Prozent zurückgegangen. „Die Investition in die Zukunft junger Menschen ist eine sozialstaatliche Aufgabe, auch im Oberbergischen“, so Kusel, der von dieser Kritik ausdrücklich die Firma Kampf ausnahm, die sich in diesem Bereich stark engagiere. Hart ins Gericht ging er auch mit den Arbeitgeber-Vertretern am Verhandlungstisch: „Menschen, die neben der Arbeit einen Angehörigen pflegen, haben Respekt und das Recht auf zeitweise Reduzierung der Arbeitszeit ohne Ausgleich verdient, nicht so ein Gequatsche“, beschrieb Kusel das jüngste Angebot der Arbeitgeber als Provokation.

Zeitgleich sprach Gewerkschaftssekretär Haydar Tokmak zu den Arbeitnehmern von Eaton Industries in Gummersbach. Auch hier ruhte der komplete Betrieb. Um 12 Uhr fand eine Kundgebung mit Gewerkschaftssekretär Norbert Lenski bei Schmidt & Clemens in Lindlar statt. Hier nahm sich Geschäftsführer Dominic Otte zweimal die Zeit und sprach mit den Mitarbeitern, den Vertrauensleuten und Betriebsratsmitgliedern am Haupttor. Die Produktion stand und die Büros waren verwaist, so Thomas Geilhaupt Mitglied des Ortsvorstandes und Betriebsratsvorsitzender von S&C.

Gestreikt wurde in den Betrieben noch bis 6 Uhr am Samstag. Mit den 24-Stunden-Streiks hat der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie die vorletzte Eskalationsstufe erreicht. Gesteigert werden kann er nur noch mit unbefristeten Flächenstreiks.

Insgesamt haben sich rund 7.000 Kolleginnen und Kollegen an den 3 Warnstreikwellen in Oberberg seit Anfang Januar beteiligt. Das ist eine mächtig stolze Bilanz, so Heinz Dörr 2. Bevollmächtigter der Oberbergischen IG Metall. Ich kann mich kaum daran erinnern, dass wir so viel Kolleginnen und Kollegen an einer Tarifrunde beteiligt haben, das erfüllt uns mit Stolz und ist für uns ein Zeichen das wir mit unseren Forderungen den Nerv der Zeit getroffen haben, so Dörr.