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IG Metall Magdeburg-Schönebeck - Tarif

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METALL- & ELEKTROINDUSTRIE

Übernahme des Pilotabschlusses auch in Sachsen-Anhalt

16.04.2021 | Die 4.Tarifverhandlung für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt, hat zu einer Verständigung zwischen der IG Metall Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalt e. V. geführt: Die Tarifparteien übernehmen den Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen.

Bezirksleiter und Verhandlungsführer Thorsten Gröger begrüßt den heutigen Tarifabschluss: „Die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt haben unter schwierigen Bedingungen der Pandemie getrotzt und finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit hinnehmen müssen. Der heutige Tarifabschluss wird den unterschiedlichsten Gegebenheiten in den Betrieben gerecht und trägt für die wichtigen Punkte, mit denen wir in der Tarifrunde 2021 angetreten sind, Sorge: Einkommen steigern, Beschäftigung sichern und Zukunft gestalten. Ich freue mich, dass wir heute auch in Sachsen-Anhalt ein wichtiges Signal an die Beschäftigten im Land senden können!“

Die Einigung sieht unter anderem eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen vor. So soll den Beschäftigten im Juni 2021 eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro als sogenannte Corona-Prämie ausgezahlt werden, Auszubildende erhalten hier einmalig 300 Euro. Darüber hinaus gibt es im Februar 2022 ein Transformationsgeld in Höhe von 18,4 Prozent des Bruttogehaltes, das sich rechnerisch aus der Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 2,3 Prozent ab Juli 2021 speist. Im Jahr 2023 erhöht sich das Transformationsgeld dann auf 27,6 Prozent und ist ab diesem Zeitpunkt eine tarifdynamische, jährliche Sonderzahlung. „Um auf die betriebliche Situation adäquat reagieren zu können, kann das Transformationsgeld auch zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden, beispielsweise als Teilentgeltausgleich bei einer 4-Tage-Woche!“, erklärt Gröger weiter.

Zur Gestaltung der Transformation in den Betrieben haben sich die Tarifvertragsparteien auf einen Prozess für Zukunftstarifverträge verständigt. Mit dieser neuen Regelung verfügen Gewerkschaft und Betriebsrat über Instrumente, um initiativ bei der Gestaltung der Zukunft von Betrieben mitzuwirken. Mit der Hilfe von Zukunftstarifverträgen kann die IG Metall Investitionen in Standorte, zukunftsfähige Produkte und Qualifizierungen für Beschäftigte aushandeln. Bisher gelang das in der Vergangenheit oft erst dann, wenn der Betrieb bereits in der Krise war und der Arbeitgeber mit Personalabbau und Tarifkürzungen auf Betriebsräte und IG Metall zukam. Jetzt jedoch können IG Metall und Betriebsräte bereits vor einer Krise eingreifen und den Arbeitgeber zu Verhandlungen über die Zukunft des Unternehmens auffordern. Somit schaffe der neue Tarifabschluss einen tariflichen Rahmen für firmenbezogene Verbandstarifverträge zur Gestaltung der Transformation in der Metall- und Elektroindustrie, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung zu erhalten.

Der abgeschlossene Tarifvertrag zwischen der IG Metall und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalt e. V. hat eine Laufzeit bis zum 30.09.2022. Die Erklärungsfrist endet am 30.04.2021. Die Tarifkommission der IG Metall entscheidet am Dienstag, den 20. April 2021, über das heutige Verhandlungsergebnis.

Bedauerlicherweise hat sich die Arbeitgeberseite in Sachsen-Anhalt nicht gesprächsbereit gezeigt, über die Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit weitere Gespräche zu führen, sondern ihre Blockadehaltung bei dieser Thematik aufrechterhalten. Die IG Metall ist angetreten, um in der Frage der Arbeitszeitangleichung in dieser Tarifrunde endlich Fortschritte zu machen und die Benachteiligung der Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern zu beenden. „Als IG Metall haben wir uns auf unterschiedliche Strategien in den verschiedenen Tarifgebieten verständigt. Nach heute zeigt sich, dass die sach- und dialogorientierte Verfahrensweise zu keiner Annäherung in dieser Frage führt. Der Verband in Sachsen-Anhalt hat eine weitere Chance vertan!“, schildert Gröger weiter. In den Tarifgebieten Berlin, Brandenburg und Sachsen wurde in der Tarifrunde 2021 die Forderung nach einem Tariflichen Angleichungsgeld aufgestellt. „Die Kolleginnen und Kollegen dort haben unsere vollste Solidarität. Die Tarifrunde in Sachsen-Anhalt hat gezeigt, dass gute Argumente in der Angleichungsfrage von den Arbeitgebern ignoriert werden, deswegen haben die Beschäftigten unsere Unterstützung bei der Umsetzung ihrer konfrontativen Strategie!“



Zukunft sichern, 4 Prozent Volumen
– IG Metall-Vorstand bestätigt Tarifforderungen

4 Prozent, um Beschäftigung zu sichern und Einkommen zu stärken. Der Vorstand der IG Metall hat die Forderungen der Tarifkommissionen für die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie und der Textil- und Bekleidungsindustrie bestätigt. Die Verhandlungen starten in knapp zwei Wochen.

Die IG Metall fordert ein Volumen von 4 Prozent, um Zukunft und Beschäftigung zu sichern – und um die Einkommen zu stärken. Der Vorstand der IG Metall hat die Forderungen der gewählten Tarifkommissionen bestätigt. In den Wochen zuvor haben die Mitglieder der IG Metall in den Betrieben und auf Versammlungen über mögliche Forderungen diskutiert. Die IG Metall hat zudem die Beschäftigten online befragt.

Forderungen Metall- und Elektroindustrie

Die regionalen Tarifkommissionen in der Metall- und Elektroindustrie haben am 17. November ihre Forderungen beschlossen. Der IG Metall-Vorstand hat die Forderungen nun genehmigt:

• Verbesserung der gekündigten Tarifregelungen zur Beschäftigungssicherung durch Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich.

• Tariflicher Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge. Dort sollen in den einzelnen Betrieben Regelungen zur Sicherung von Standort und Arbeitsplätzen festgelegt werden.

• Ein Volumen von 4 Prozent zur Stärkung der Einkommen – also der Entgelte und Ausbildungsvergütungen – bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Dieses Volumen steht auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung, wie etwa einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitabsenkungen zur Verfügung.

„Die IG Metall strebt einen tariflichen Rahmen an, der ein Entgeltvolumen umfasst, das zur Erhöhung der Einkommen und in Betrieben mit Beschäftigungsproblemen zum Ausgleich von Einkommensverlusten beiträgt, wenn dort Arbeitszeit reduziert wird, etwa in Form der 4-Tage-Woche“, erklärt Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall.

„Mit Zukunftstarifverträgen sollen passgenaue betriebliche Lösungen gefunden werden, die Zusagen für Investitionen, Standorte, Beschäftigung und Qualifizierung enthalten. Die Vorschläge zur 4-Tage-Woche und zu Zukunftstarifverträgen sind Antworten auf die digitale und ökologische Transformation.“

Zudem fordert die IG Metall Schritte zur Angleichung der Arbeitsbedingungen in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie.

Außerdem will die IG Metall tarifliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und zur unbefristeten Übernahme erreichen, für alle Auszubildende – auch für dual Studierende.

Die Tarifverhandlungen in den einzelnen Tarifgebieten der Metall- und Elektroindustrie starten Mitte Dezember.



Ein Tarifvertrag der Solidarität!


Die IG Metall hat für die 12.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalt am 25. März einen Solidartarifvertrag abgeschlossen. Grundlage war der Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen vom 19. März. Wichtigstes Ziel: Beschäftigung zu sichern, Entlassungen zu vermeiden, finanzielle Einbußen bei Kurzarbeit zu minimieren und schnelle Lösungen zur Kinderbetreuung.

»Der Tarifvertrag sorgt für ein Stück mehr Sicherheit,« sagte Bezirksleiter Thorsten Gröger. »Kurzarbeit ist ein gutes Mittel zum Schutz vor Entlassungen. Dieses Instrument der Beschäftigungssicherung haben wir verbessert und dafür den Tarifvertrag Beschäftigungssicherung in der Krise (Zukunft in Arbeit) aus dem Krisenjahr 2010 reaktiviert.«

Die wichtigsten Regelungen: Um den Lebensstandard zu erhalten, soll ein möglichst hohes Kurzarbeitergeld erreicht werden. Dafür kann das Urlaubsund Weihnachtsgeld auf die monatlichen Einkommen aufgeteilt werden. Und die Beschäftigten erhalten in diesem Fall einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen.

Neu ist ein Solidartopf für Härtefälle in jedem Betrieb. Für jeden Beschäftigten zahlt das Unternehmen einmalig 350 Euro in diesen Topf. Damit kann das Kurzarbeitergeld aufgestockt werden. Ab sofort können Eltern, die bislang die 8 freien Tage (T-ZUG) wählen konnten, diese 8 Tage jetzt auch für Kinder bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres beanspruchen. Für 2020 gibt es zudem 5 zusätzliche freie Tage, wenn der Resturlaub 2019, die Zeitkonten und die gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Die Tarifkommission nahm das Ergebnis einstimmig an. »In dieser schwierigen Situation sind schnelle und solidarische Lösungen gefragt«, sagte Thorsten Gröger. »Das haben wir mit diesem Solidartarifvertrag bewiesen.« Der Solidartarifvertrag läuft bis 31. Dezember 2020. Nach dem Abklingen der Pandemie werden die Tarifgespräche über die Zukunftsthemen der Tarifrunde 2020 fortgesetzt.

Der Solidartarifvertrag greift auf bewährte Regelungen zurück

Die regulären Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie werden bis zum Jahresende 2020 ausgesetzt. Nach dem Abklingen der Pandemie werden die Gespräche zu den weiterhin drängenden Themen der Transformation wieder aufgenommen. Für den Abschluss des Solidartarifvertrags haben die Tarifparteien auf den Tarifvertrag »Beschäftigungssicherung in der Krise« (Zukunft in Arbeit) aus dem Krisenjahr 2010 zurückgegriffen, der damals schon betriebsbedingte Kündigungen verhindert hat.

ABFEDERUNG VON ENTGELTVERLUST BEI KURZARBEITERGELD
Zum Schutz der Arbeitsplätze können Entlassungen verhindert werden. Der Betrieb meldet Kurzarbeit an und die Beschäftigten erhalten Kurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur – bis 60 Prozent vom letzten Netto oder 67 Prozent für Beschäftigte mit Kindern. Um die Verluste beim Kurzarbeitergeld zu vermindern, können das Weihnachts- und Urlaubsgeld durch zwölf geteilt und auf das Monatsentgelt verteilt werden. Damit steigt das monatliche Einkommen – und entsprechend das Kurzarbeitergeld. Die Beschäftigten sind dann vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

VERMINDERUNG VON SOZIALEN HÄRTEN
In den Betrieben wird ein Solidartopf eingerichtet, in den die Arbeitgeber 350 Euro für jeden Beschäftigten einzahlen (Basis ist die 38-Stunden-Woche) – Teilzeitbeschäftigte anteilig und Azubis 50 Prozent. Das Geld soll zur Aufzahlung von Kurzarbeitergeld im Betrieb eingesetzt werden. Wie genau das Geld verteilt wird, darüber entscheiden die Betriebsparteien. Wo Kurzarbeitergeld ohnehin aufgestockt wird, kann der Arbeitgeber die neuen Regelungen zur Aufzahlung des Kurzarbeitergeldes mit verrechnen. Ist am 1. Dezember 2020 noch Geld im Topf, wird dieses zu gleichen Teilen an alle Beschäftigten ausgezahlt. Auf Antrag kann über eine Abweichung hiervon verhandelt werden.

REGELUNGEN ZUR FREISTELLUNG FÜR DIE KINDERBETREUUNG Beschäftigte mit Kindern bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres statt wie bislang bis zur Vollendung des achten Lebensjahres können das tarifliche Zusatzgeld in freie Tage umwandeln. Außerdem können ab sofort zusätzlich fünf bezahlte freie Tage für die Kinderbetreuung verwendet werden, wenn Kitas und Schulen geschlossen werden, ohne dass der Urlaub 2020 angerechnet wird – sofern andere Möglichkeiten wie Resturlaub von 2019, Zeitkonten oder gesetzliche Freistellungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine kollektive Nutzung des »T-ZUG« zur Vermeidung von Kurzarbeit ist möglich.

metallnachrichten Nr. 4/25.3.2020
Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt