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IG Metall Gummersbach - 2 Tarifrunde Diskussion

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IG Metall Oberberg bis zu 6,5 Prozent

Bis zu 6,5 Prozent höhere Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen - für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Diese Entgeltforderung empfiehlt der IG Metall-Vorstand den regionalen Tarifkommissionen für die Metall-Tarifrunde. Das ist wirtschaftlich machbar und die Menschen haben es verdient.

In den vergangenen Wochen haben die Mitglieder der IG Metall in den Betrieben schon intensiv diskutiert, um wie viel Prozent die tariflichen Entgelte in der Metall- und Elektroindustrie steigen sollen. Gestern hat der Vorstand der IG Metall darüber beraten - und ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen.

In der Oberbergischen Metall- und Elektroindustrie sind rund 16.000 Menschen beschäftigt. Die derzeitigen Entgelt-Tarifverträge laufen Ende März aus.

Sichere Perspektiven für Junge

Zwei weitere Forderungspakete für die anstehende Tarifrunde stehen im Focus:

Das erste betrifft die Jugend. Die IG Metall will die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung zur Regel machen. "Wir wollen sichere Berufsperspektiven für junge Menschen", erklärte Werner Kusel, erster Bevollmächtigte der IG Metall Oberberg.

Keine Forderung, sondern ein Angebot an die Arbeitgeber, so Kusel.

Ich persönlich halte diese Forderung, nicht als Forderung im klassischen Sinn, sondern angesichts des demographischen Wandels in Oberberg als ein Angebot an die Oberbergische Metall- und Elektroindustrie eine attraktive Ausbildungsbranche für die zukünftige junge Generation zu werden.

Fairness für Leiharbeitnehmer
Beim zweiten Forderungspaket geht es um "faire Bedingungen in der Leiharbeit". Die IG Metall will mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie vereinbaren, dass Betriebsräte, also die Interessenvertreter der Beschäftigten in den Firmen, mehr Mitbestimmungsrechte erhalten. Sie sollen darüber mitreden, ob, wo, wie lange und in welchem Umfang Leihbeschäftigte eingesetzt werden.
Oberbergische Wirtschaft ist stabil
"Die wirtschaftliche Lage in der Oberbergischen Metall- und Elektroindustrie ist heute zum Glück besser als wir im Herbst noch befürchtet hatten", sagte Kusel. Die Metallbranchen stünden "stabil da". Die deutsche Wirtschaft könne auf ein "bemerkenswert gutes Jahr 2011" zurückblicken. Für 2012 "rechnen wir im ersten Quartal mit einem stagnierenden Wachstum und danach mit einer spürbaren Belebung". Doch auch wenn die IG Metall keinen Kriseneinbruch wie in 2009 erwartet: Das wirtschaftliche Umfeld bleibt unsicher, weil die Risiken aus der Krise der Finanzmärkte und der Verschuldungskrise der Staaten in Europa nach wie vor nicht bewältigt sind.
Neue Herausforderungen
Schon seit einiger Zeit entwickelt sich die Wirtschaft wechselhafter. Die Konjunkturzyklen werden kürzer und unberechenbarer. Die geht im Übrigen aus dem letzter Umfrage der IHK Oberberg hervor. Auf diese Veränderungen müssen die Tarifparteien eine Antwort geben. Die sieht die IG Metall in einer "mittelfristigen und verlässlichen Tarifpolitik". Verlässlichkeit bedeutet, gegenüber dem Tarifpartner, den Arbeitgebern, vertragstreu zu sein und nicht während der Laufzeit eines gemeinsam vereinbarten Tarifvertrags "Nachforderungen" zu stellen. Verlässlichkeit bedeutet aber auch, den Mitgliedern der IG Metall einen fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg zu verschaffen.
"Mittelfristige Tarifpolitik"

Mittelfristig heißt: Bei der Höhe der Forderung orientiert sich die IG Metall, wie in der Vergangenheit, am Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und der Preise. Beides zusammengerechnet bildet den so genannten "verteilungsneutralen Spielraum". Dieser Spielraum und die Entgelterhöhungen müssen sich mittelfristig parallel entwickeln. Darum berücksichtigt die IG Metall nicht nur die für dieses Jahr prognostizierten wirtschaftlichen Daten, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung nach dem letzten Tarifabschluss. Den hatte die IG Metall im Februar 2010 unterschrieben. Damals steckte die Wirtschaft noch mitten in der tiefsten Krise der Nachkriegszeit. Über 6.000 Beschäftigte in Oberberg standen in Kurzarbeit. Ein Ende der Krise war nicht in Sicht. In dieser Situation entschied sich die IG Metall für eine relativ lange Laufzeit des Tarifvertrags. "Damit", so Kusel, "haben wir für stabile Arbeitsplätze und Planungssicherheit der Unternehmen gesorgt".

2010 war aber nicht damit zu rechnen, dass sich 2011 zu einem wirtschaftlich so erfolgreichen Jahr für die Metall- und Elektroindustrie entwickeln würde. "Die guten Ergebnisse kennen auch die Belegschaften, die diesen Erfolg möglich gemacht haben", sagt Kusel. "Sie haben eine faire Einkommenserhöhung redlich verdient." Darum müsse das gute Jahr 2011 jetzt bei der Höhe der Forderung mit betrachtet werden. "Wer diese berechtigten Ansprüche mit Begriffen wie "Nachforderung" zu diskreditieren versucht, wie es die Arbeitgeber zum Teil tun, hat die tarifpolitischen Notwendigkeiten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit nicht verstanden".

Wir werden am kommenden Freitag mit unseren Betriebsräte und Vertrauensleuten, die Diskussionen aus den Oberbergischen Betrieben zusammenfassen und diese unseren Tarifkommissionsmitgliedern für den 23.2.12 mit auf den Weg geben, so Kusel. Am 23. Februar wird die große Tarifkommission NRW die Forderung für NRW beschließen.