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IG Metall Bielefeld - Folgen der Krise beachten

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Folgen der Krise beachten, am Ball bleiben!

Die Corona Pandemie beherrscht seit Anfang März das gesamte Leben. Ein Interview mit Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bielefeld.

"Auch ein Mundschutz macht uns nicht sprachlos!" sagt Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bielefeld.

Wie ist die aktuelle Lage in Bielefeld und im Altkreis Halle?

In den Betrieben der Branchen unserer Geschäftsstelle hat aufgrund der Coronakrise die Kurzarbeit zugenommen. Zum Teil haben die Firmen Schwierigkeiten bei der Teilzulieferung, zum Teil bei der Auslieferung, insbesondere im Ausland. Stark hat es die Automobil-Zuliefererbetriebe getroffen, nachdem die Automobilhersteller die Bänder stillgesetzt haben. Die im Maschinenbau angesiedelten Betriebe sind noch nicht so stark betroffen, haben aber Probleme ihre Maschinen auszuliefern. Insgesamt stellen wir fest, dass - Stand heute- deutlich mehr Betriebe Kurzarbeit fahren als vor zehn Jahren in der Wirtschaftskrise 2008/2009. Wir haben aber auch Betriebe, in denen es gut läuft.

Mit Sorge nehme ich zur Kenntnis, das die Ausbildungszahlen in 2020 um ca. 10 Prozent rückläufig sind. Das ist mir unverständlich wenn wir in die Zukunft schauen und wissen das massive Veränderungen in der Arbeitswelt anstehen. Gerade in der Autoindustrie und den Zulieferunternehmen stehen wir vor der Abkehr vom Verbrennungsmotor. Dafür brauchen wir gut ausgebildete junge Menschen. Das ist der falsche Weg Ausbildungsplätze zu reduzieren.

Welche Auswirkungen hat das für die Beschäftigten?

Sehr unterschiedlich. In Bereichen, wo es möglich ist, lassen Unternehmen Beschäftigte im Home-Office arbeiten. In der Produktion reicht die Spanne des Arbeitsausfalls von wenigen Tagen bis hin zu Kurzarbeit Null. Wir nehmen wahr, dass in Betrieben mit starken Betriebsräten gute Lösungen gefunden werden, sowohl bei der finanziellen Absicherung, als auch beim Gesundheitsschutz.

Wir nehmen aber auch wahr, dass in Betrieben ohne Betriebsrat oder mit schwachen Betriebsräten die Arbeitgeber sehr fragwürdig mit der aktuellen Situation umgehen. Die Beschäftigten sind in solchen Betrieben gleich mehrfach benachteiligt. Finanziell steht man schlechter da und mangelnder Gesundheitsschutz erhöht das Risiko an Corona zu erkranken.

Was sind derzeit die wichtigsten Fragen und Probleme der Beschäftigten?

Wir haben die erste Phase der Unsicherheit überwunden und zusammen mit unseren Betriebsräten, Vertrauensleuten und Jugendvertretungen Regelungen im Sinne der Beschäftigten umgesetzt. Jetzt kommen von unseren Kolleg*Innen Fragen zur Abrechnung von Kurzarbeit und wie der Gesundheitsschutz beim Hochfahren der Industrie gewährleistet wird.

Trotz vieler guter Lösungen gibt es genug Beschäftigte, die durch die Einschnitte stark beeinträchtigt sind – auch bei Kurzarbeit muss die Miete gezahlt werden. Andere Kosten laufen auch weiter. Deshalb haben wir hier vor Ort auch die Bundestagsabgeordneten angeschrieben und mit ihnen gesprochen. Die Folgen der Krise dürfen nicht die Beschäftigten allein ausbaden, sie brauchen eine Perspektive. Die Entscheidungen von der Bundesebene bis hin zu den kommunalen Verantwortlichen zeigen in die richtige Richtung. Wir müssen aber für die Interessen der Beschäftigten weiter am Ball bleiben.

Die Hauptarbeit von einer hauptamtlichen Gewerkschaftssekretärin ist die Beratung und Unterstützung von Betriebsräten bei Verhandlungen. Wie organisiert ihr jetzt diese Arbeit?

Das ist für uns alle tatsächlich eine Umstellung. Bei unserer Arbeit steht im Normalfall die direkte Beratung, das persönliche Gespräche mit unseren betrieblichen Funktionärinnen und Funktionären vor Ort im Mittelpunkt. Oder wir sitzen mit dem Betriebsrat und der Geschäftsführung mit großem Abstand am Tisch, wenn zum Beispiel der Abschluss einer Betriebsvereinbarung zu Kurzarbeit streitig ist. Heute läuft das alles über Telefongespräche und auch über Video-Konferenzen. Die Art und Weise sprechen wir mit allen Beteiligten ab und finden verantwortungsvolle Formate. Präsenztermine – unter Einhaltung der allgemeinen Verhaltensregeln – nehmen weiter zu.

Wie erhalten unsere IG Metall Mitglieder individuelle Beratung?

Die individuelle Beratung unserer Mitglieder gehört auch in Zeiten der Coronakrise zu einer unserer Kernaufgaben. Gerade jetzt in der Corona-Krise brauchen uns unsere Mitglieder. Die Gewerkschaftssekretär*Innen und Sachbearbeiter*Innen unserer Geschäftsstelle arbeiteten zum Teil im Home-Office. Mittlerweile ist unsere Geschäftsstelle für den Publikumsverkehr wieder geöffnet und wir haben auch ein entsprechendes Hygienekonzept. Die Mitglieder können ihre Anliegen auch weiterhin telefonisch und per Mail einreichen, außerdem gibt es Überlegungen die neuen Medien – wie Videokonferenzen - auch für unsere Mitgliederberatung zu nutzen.

In diesem Jahr finden die Organisationswahlen und die Wahlen des Ortsvorstandes und der Vertrauensleute statt. Läuft alles nach Plan?

Natürlich nicht. Die Coronakrise hat unseren Zeitplan gehörig durcheinandergewirbelt. Die erste Delegiertenversammlung für die Wahl des neuen Ortsvorstandes und der Bevollmächtigten am 28. März musste abgesagt werden. Wir werden die Delegiertenversammlung Anfang September nachholen. Das wird eine besondere Versammlung werden. Wir werden dazu diesmal in die Stadthalle gehen, damit zwischen unseren 90 Delegierten und wenigen Gästen genug Abstand eingehalten werden kann.

Die Vertrauensleutewahlen werden im zweiten Halbjahr nachgeholt. Das ist auch verdammt wichtig. Jetzt kommt es darauf an, dass wir in den Betrieben wieder eine starke Stimme haben. Denn die Krise zeigt uns eins: Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich!